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Ein Stück deutsche Musikgeschichte

"Das Beste" von Achim Reichel
Er tourte mit den Beatles und den Rolling Stones, wagte später manches Sound-Experiment und landete mit seinen Seemannsliedern immer wieder in den Charts: Anlässlich seines 75. Geburtstags veröffentlicht der Hamburger Achim Reichel ein Best-of.

Der in Hamburg geborene Musiker und Sänger Achim Reichel bekam einst von einem Kritiker den Titel "Ur-Vater des deutschen Rock" verliehen. Dieser Stempel gefiel dem Künstler nie so recht, aber er deutet an, dass Reichel in der heimischen Musiklandschaft einiges bewegt hat. Zum 75. Geburtstag (28. Januar) blickt Achim Reichel nun umfangreich zurück. Er schenkt seinen Fans mit "Das Beste" ein Best-of-Album mit 37 Titeln aus 22 Alben voller verrockter Shantys, deutscher Lyrik, Volksliedern und roher Pop-Balladen.

Zu groß für irgendeine Schublade

Was Reichel als Musiker erlebt hat, reicht eigentlich schon für mehrere Karrieren aus. Von 1960 bis 1966 war er Frontmann der Rattles, einer der erfolgreichsten deutschen Beat-Bands, die 30 Singles veröffentlichte. Die Rattles tourten mit den Rolling Stones durch England, mit den Beatles durch Deutschland, und mit "Hurra, die Rattles kommen" können sie sogar einen eigenen Kinofilm vorweisen.

Seine Sololaufbahn startete Reichel 1975 nach einigen experimentell-psychedelischen Projekten (unter anderem A. R. & Machines und Wonderland) mit dem Album "Dat Shanty Alb'm", auf dem Seemanslieder auf Englisch und Plattdeutsch zu hören waren. Von da an sang er überwiegend auf Deutsch, arbeitete auch mit Lyrikern wie Jörg Fauser ("Der Spieler") und Peter-Paul Zahl zusammen und ließ sich 1988 sogar für ein paar Reunion-Konzerte mit den Rattles gewinnen, die sich 1977 getrennt hatten. "Schubladen sind für die Kunst tödlich", erklärte Reichel einmal.

Kunst und Kritik

Die als Doppel-CD, Vierfach-Vinyl und digitaler Download erhältliche Werkschau "Das Beste" kreuzt nun kurzweilig und ziemlich abwechslunsgreich durch das breitgefächerte Oeuvre des vielseitig interessierten Künstlers. Natürlich sind Seemannslieder wie die Hitsingle "Aloha Heja He" (1991) oder "Steaks und Bier und Zigaretten" (vom Album "Eine Ewigkeit unterwegs", 1985) vertreten, aber auch lyrisch-düstere Elektro-Rocksongs wie das kritische Stück "Exxon Valdez" ("Oh Ha!", 1996). "Boxer Kutte" ("Nachtexpress", 1994) ist hier in einer alternativen Single-Version enthalten; die Singles "Auf der Rolltreppe" und "Kuddel Daddel Du" aus Reichels erfolgreichstem Album "Melancholie und Sturmflut" (1991) dürfen bei solch einer umfangreichen Auswahl natürlich auch nicht fehlen.

Ergänzt durch ein 24-seitiges Booklet inklusive rarer Fotos streut diese Geburtstags-Veröffentlichung eine gelungene Mischung aus Album-Klassikern und Live-Versionen, die den Hörer über zwei Stunden lang von der spritzenden Gischt auf einem knirschenden Kutter bis hinein in die legendäre Hamburger Laeiszhalle steuern. Dort wird Reichel auch im Zuge der anstehenden "75 Jahre - Das Beste zum Schluss"-Tour im Herbst 2019 wieder zu Gast sein.

Achim Reichel auf Tour:

23.10. Flensburg, Deutsches Haus

24.10. Lübeck, Muk

26.10. Berlin, Admiralspalast

28.10. Hannover, Teater am Aegi

29.10. Hamburg, Laeiszhalle

31.10. Dresden, Alter Schlachthof

01.11. Husum, Kongresszentrum

02.11. Oldenburg, Kulturetage

04.11. Bremen, Glocke

05.11. Braunschweig, Stadthalle

06.11. Osnabrück, Rosenhof

08.11. Mannheim, Musensaal

09.11. Mainz, Frankfurter Hof

11.11. Essen, Lichtburg

12.11. Köln, Gloria

13.11. Nürnberg, Hirsch

15.11. Leipzig, Haus Auensee

16.11. Düsseldorf, Savoy

17.11. Bielefeld, Ringlokschuppen