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Der letzte seiner Art

Dendemann
Auf seinem ersten Album seit acht Jahren zementiert der "Neo Magazin Royale"-Rapper Dendemann seinen Ruf als letztes Unikat im deutschen HipHop - ohne Nostalgie, dafür aber mit einem offenen Ohr für das innere Kind.

Bei Dendemann finde er es "saugut, wie er mit Sprache umgeht", erklärte Smudo von Die Fantastischen Vier vor vielen Jahren einmal in einem Interview. "Deutsch - das ist seine Sprache, in der er lebt und aufgewachsen ist, in der er Kultur erfahren hat." Als HipHop-Duo Eins Zwo stiegen Dendemann und DJ Rabauke Ende der 90-er schnell zu Szene-Lieblingen auf. Mit Texten voller Limericks, Kalauern und Wortwitz begeisterte Dendemann (bürgerlich Daniel Ebel) von Hamburg aus schon vor 21 Jahren Teens und Twens für deutsche HipHop-Musik. Nachdem er zuletzt lange nicht im Studio war, erscheint jetzt sein neues Album "Da nich für!".

Immer noch ein Publikumsliebling

Eins Zwo und vor allem Dendemann waren damals, als alles losging, keine durchtrainierten Aufsteiger aus sozialen Brennpunkten, sondern Kinder der Mittelschicht, die Comics lesen, Turnschuhe tragen und Fußball mögen. Und sie besaßen immer ein großes Maß an Selbstironie. Auf seinen Solo-Alben "Die Pfütze des Eisbergs" (2006) und "Vom Vintage verweht" (2010) verkörperte Dendemann den Typus des sympathischen Alt-Abiturienten mit latentem Hang zur Tollpatschigkeit. So kam er auch dazu, als musikalischer Sidekick von Jan Böhmermann, Jahrgang 1981, in dessen TV-Sendung "Neo Magazin Royale" agieren zu dürfen. Dieses Kind aus dem Ruhrgebiet war und ist ein Publikumsliebling. Trotzdem dauerte es nach "Vom Vintage verweht" fast ein Jahrzehnt, bis Dendemann wieder ein Album veröffentlichen sollte.

"Wo ich wech bin" war der erste Vorbote des nun erscheinenden Werkes "Da nich für!", das eine Jugend in der deutschen Provinz der 90-er mit Alltagszitaten ("Zieh die Hose hoch, du Skater-Schwein!") und den Problemen der Kleinstadt ("Das schönste Reihenhaus im Barrio / 30 Vogelarten scheißen dir ins Cabrio") porträtiert. Es ist eine ruhige Sample-Collage, die sich fast schleichend über die Takte fortbewegt. Das ist programmatisch, denn "Da nich für!" ist generell ein sehr unaufgeregtes Album.

Der 45-jährige Dende muss den heutigen Jugendlichen nicht seine Coolness beweisen - die kennen (und schätzen) ihn von Twitter. Er braucht von seinen Produzenten The Krauts (Seeed, Marteria) und KitschKrieg ("Standard") auch keine pompösen Arrangements - seine eindringliche Reibeisenstimme und die anpassungsfähige Rap-Performance dominieren die zwölf Stücke fast im Vorbeilaufen.

"Mehr Galgenhumor als auf den Alben zuvor"

So widmet er sich auf seinem dritten Album lieber den Eigenheiten des nicht mehr ganz so jungen Mannes, der er nunmal ist. Im musikalischen Fahrwasser aus Reggae, Trap und klassischer HipHop-Machart spricht Dendemann von der Akzeptanz der eigenen Kautzigkeit ("Ich Dende Also Bin ich"), der brennenden Leidenschaft für die Kunst ("BGSTRNG" ), der Besorgnis um die politische Großlage ("Zeitumstellung") und auch von der Pflege des inneren Kindes ("Zauberland").

"Mit mehr Galgenhumor als auf den Alben zuvor" manövriert sich das vielleicht letzte Unikat des deutschen HipHop durch eine Vielzahl von Themen und Rythmen, ohne in Alt-Rapper-Fallen wie HipHop-Nostalgie zu treten oder gar musikalischen Trends hinterherzulaufen. Gastmusiker wie Casper, Trettmann, die Beatsteaks und die Beginner helfen dabei. Dendemanns erfrischend offener Umgang mit seinen Macken, seiner Biografie und dem Zeitgeist ist aber am Ende vor allem einem sehr simplen Umstand geschuldet: Er ist erwachsen geworden, ohne alt zu werden.