Like us

Zum Zuschauen verdammt

"The Grand Tour Game" im Test
"The Grand Tour" ist eine der teuersten Serien-Eigenproduktionen bei Amazon Prime Video. Pünktlich zum Start der dritten Staffel gibt es jetzt auch ein Videospiel, in dem man die abgefahrenen Abenteuer von Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May nacherleben kann. Sofern man denn darf ...

Spektakuläre Reisen, absurd teure Super-Sportwagen, dazu viele Explosionen und infantiler Blödsinn: Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May dürfen bei ihren PS-Abenteuern all das erleben, wovon der gewöhnliche Auto-Freak nur träumt. Wer sich immer schon dachte "Das will ich auch mal machen!", der bekommt jetzt die Gelegenheit dazu. Ein bisschen zumindest: Fast zeitgleich zum Start der dritten Staffel ihres Formates "The Grand Tour" (ab 18. Januar) bei Amazon Prime Video ist ein dazugehöriges Videospiel für Xbox One und PS4 erschienen. Ist der Hochgeschwindigkeitsrausch also nur noch einen Knopfdruck entfernt?

Spiel oder Video-Recycling?

Das Konzept von "The Grand Tour Game": Man soll komplette Episoden aus der Serien-Vorlage nacherleben. Es geht also los mit dem Intro und der Begrüßung, dann kommen ein paar Gags des britischen Moderatoren-Trios. Sobald es für Clarkson, Hammond und May auf die Piste geht, übernimmt der Spieler, ehe die nächste Filmsequenz startet und die nächste Fahrsequenz wartet ...

Entwickelt wurde "The Grand Tour Game" von Amazon Game Studios - und es ist davon auszugehen, dass hierzu keine Programmierer von "Gran Turismo" oder der "Forza"-Serie abgeworben wurden. Abgesehen davon, dass der ständige Wechsel aus langen Film- und kurzen Spielszenen recht schnell ermüdet, ist "The Grand Tour Game" ein Produkt, das bei Konsolen-Racern mit einem gewissen Anspruch komplett durchfallen dürfte. Das Fahrzeughandling: ziemlich mies. Die Fahrphysik etwa in den Kurven oder beim Driften: völlig unrealistisch. Fahren im Windschatten: Was ist ein Windschatten?

Turbo-Booster, Ablenkungs-SMS und Rauchbomben

Je mehr Szenen man spielt, desto mehr fühlt sich "The Grand Tour Game" wie ein "Mario Kart"-Ableger mit "echten" Sportwagen an. Zumal man im Rennen auch noch Items wie Turbo-Booster, Ablenkungs-SMS oder pinke Rauchbomben einsammeln kann, die dem Hinterherfahrenden die Sicht vernebeln. Spätestens, wenn man dann ein Drag-Race aus der Serie nachspielt und am Ende nichts anderes gemacht hat, als fünf Sekunden lang die Vollgas-Taste zu drücken, fragt man sich: Was soll das hier eigentlich?

Auch grafisch weist "The Grand Tour Game" einige Schwächen auf - und das, obwohl das Serien-Vorbild als echte Hochglanz-Produktion gilt. Die Fahrzeuge selbst sehen ordentlich aus, und das Spiel mit verschiedenen Lichtverhältnissen funktioniert. Das alles hat man bei der Konkurrenz aber auch schon sehr viel detailreicher gesehen, und vor allem beim Drumherum (also bei den eigentlich schönen Landschaften) kommt das Bild von "The Grand Tour Game" dann doch sehr flach und mit manchem Darstellungsfehler daher.

Das Fazit, frei nach Jeremy Clarkson: "This is rubbish!" - Dieses Spiel ist Mist! Als Rennsimulation ist "The Grand Tour Game" unbrauchbar, und von dem Spaß, den Clarkson, Hammond und May auf der realen Strecke haben, kommt zu Hause auf dem Sofa kaum etwas an. Da helfen auch keine Original-Soundschnipsel wie "I love speeding" (Clarkson), die zwischendurch immer wieder eingespielt werden.

Immerhin: Was dieses Spiel tatsächlich kann, soll sich angeblich erst noch zeigen. Mit jeder neuen Folge der Serie (bei Amazon Prime Video werden 13 Episoden im Wochentakt veröffentlicht) wird auch dem Konsolen-Pendant der entsprechende neue Content hinzugefügt - neue Autos, neue Challenges, neue Strecken. Vielleicht kommt man dem Traum, sich einmal wie Clarkson und Co. zu fühlen, dann zumindest ein bisschen näher.