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Helm auf beim Luftkampf!

"Ace Combat 7: Skies Unknown" im Test
Abgehobene Action: Mit "Ace Combat 7: Skies Unknown" verhilft Bandai Namco einem totgesagten Genre zum Höhenflug. Hartgesottene greifen zur VR-Fassung - und deponieren den Spuckbeutel zur Sicherheit in greifbarer Nähe.

Fliegen wird seit jeher romantisiert, nur Flugsimulationen spielen will komischerweise kaum noch jemand. Ob Action-geladen oder anspruchsvoll: Flug- sowie Baller-Manöver am Firmament gelten als kompliziert. Entsprechend wenige Titel widmen sich noch der umwölkten Materie oder haben es sich in der Nische bequem gemacht.

Zu den noch halbwegs regelmäßig erscheinenden Vertretern der Action-Gattung gehört Bandai Namcos "Ace Combat"-Reihe, die zum ersten Mal 1995 auf der Ur-PlayStation gestartet ist. Und selbst die rollt nur noch alle Jubeljahre in Startposition. Ein Umstand, der sich auch bei der neuen Episode "Unknown Skies" vor allem bei der spartanischen Präsentation des abgehobenen Abenteuers bemerkbar macht: Wie bei den Vorgänger-Spielen verlässt sich Teil 7 in erster Linie auf Menüs, Standbilder, Missionen-Besprechungen oder Funksprüche, um seine Story zu vermitteln. Und die sind nicht mal um das stumme Alter Ego des Spielers herum gestrickt! Hier und da eingestreute Filmschnipsel beleuchten wiederum verschiedene Schicksale. Dabei springt die Erzählung leider so häufig zwischen den verschiedenen Figuren hin und her, dass man zu keiner eine persönliche Bindung aufbauen kann. Zusätzlich widersprechen einige Story-Details dem Ablauf der gespielten Luftschlachten - ärgerlich.

Genre-Potpourri

Auch das Szenario ist gewöhnungsbedürftig: Anstatt wie beim direkten Vorgänger "Infinity" bekannte Machtblöcke wie USA, Europa oder Asien in die Luftschlacht zu schicken, beziehen sich die Entwickler auf dieselben fiktiven Nationen wie bereits in Teil 4 bis 6 - vielleicht, weil man ein martialisches Luft-Bombardement im Angesicht der aktuellen politischen Spannungen als geschmacklos empfunden hätte.

Umso eigenartiger mutet es da an, dass die meisten Flugzeug-Typen sehr wohl der Realität entsprechen und man in der Regel in Kampfjets US-amerikanischer, europäischer oder russischer Bauart durch den Himmel düst. Ganz und gar der Designer-Fantasie entstammen dagegen Boss-Vehikel wie ein gigantischer Nurflügler, den man Trefferzone für Trefferzone mit Lenkraketen zu Schrott ballert.

Das Resultat ist ein mitunter skurriles Genre-Potpourri, das manchmal wie eine Militär-Simulation, aber dann wieder wie das eigentümliche SciFi-Universum aus einem Anime-Film wirkt.

Nur im VR-Cockpit ein echter Überflieger

Im Cockpit indes gibt sich "Ace Combat 7" gewohnt bodenständig und für eine Luftkampf-Simulation angenehm zugänglich: Einsteiger können die Schlachten am Firmament so einstellen, dass es nur weniger Knopfdrücke bedarf, um ein Feuerwerk aus Effekten und brennenden Flugzeugwracks zu zünden. Komplexe Aktionen wie Landung oder Start werden dem Spieler dabei entweder gleich ganz erspart oder fast vollständig automatisiert.

Obwohl "Skies Unknown" auch bei Boss-Schlachten gegen riesige SciFi-Flugzeuge oder Nachtflügen durch enge Canyons nie in gehobene Grafik-Sphären aufsteigt, so sorgen die zahlreichen verschiedenen Missions-Gattungen doch für die nötige Abwechslung. Ein paar Einsätze mehr hätten der Story-Kampagne zwar gutgetan, doch abseits der Singleplayer-Ausflüge halten Multiplayer-Angebote wie "Team Deathmatch" und ein luftiger "Battle Royale"-Modus dem Hobby-Kampfpiloten bei Laune. Für zusätzliche Diversität sorgen ein umfangreicher Fertigkeitenbaum und Hangar: Wer in den Missionen genug Punkte sammelt, der darf vor dem nächsten Start an dieser Stelle in neue Talente oder Flieger investieren.

Etwas konfus wird es leider hin und wieder wegen der ausschließlich englischen Sprachausgabe: Wer mitten in einem packenden Luftkampf steckt, der hat kaum Zeit, um auf die deutschen Untertitel zu achten. Darum sind solide bis ausgezeichnete Englischkenntnisse in "Skies Unknown" erste Flieger-Pflicht.

Dennoch: Wer jahrelang darauf gewartet hat, endlich mit seiner PS4 über ein stahlblaues 3D-Firmament zu brettern und Raketen-verschießend die Schallmauer zu durchbrechen, der greift schon allein in Ermangelung nennenswerter Alternativen zu. Ein echter Pflichtkauf ist "Skies Unknown" dagegen für Besitzer von Sonys "PlayStation"-VR-Headset: Die exklusiv an die PS4-Version des Action-Titels getackerte "Virtual Reality"-Komponente wurde so liebevoll umgesetzt, dass sie dem Luftkampf eine vollkommen neue Dimension verleiht.

Selbst in der Pilotenkanzel zu sitzen und einer getroffenen MIG durch beschlagene Scheiben dabei zuzuschauen, wie sie mit in einer dicken Rauchwolke neben einem abschmiert, ist äußerst eindrucksvoll inszeniert, kann aber auch bei allzu hektischen Bewegungen auf den Magen schlagen. Übelkeit und Schwindelkeit sind wie bei vielen VR-Titeln die Folge.

Für Besitzer eines "PlayStation-VR"-Headsets ist "Skies Unknown" dennoch mehr als ein Blick wert. Vor allem dann, wenn ihnen das Erlebnis noch die Investition in den rund 90 Euro teuren und eigens für "Ace Combat 7" entwickelten Flight-Sticks wert ist. Dann ist die Illusion fast perfekt.