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Bayern ist jetzt cool

Pam Pam Ida
Pam Pam Ida entwachsen mit ihrem zweiten Album "Sauber" dem Hype in ihrem Bundesland. Ihr bayerischer Mundart-Pop begrüßt den Hörer mit einem breiten Grinsen und punktet mit erfrischender Lockerheit.

Dialekte und Mundarten sind etwas Faszinierendes. Manch einer nennt sie "charmant" und erliegt ihnen. Andere finden sie eigenartig und albern. Aber ein Attribut wird regionalen Spracheigenheiten nur selten zugeordnet : Coolness. Dass ausgerechnet eine Band aus dem vermeintlich konservativen Bayern das ändert, ist genauso unwahrscheinlich wie ein Oktoberfest ohne Maßkrug. Und dann kommen Pam Pam Ida mit ihrem neuen Album "Sauber".

Das Sextett um Sänger und Komponist Andreas Eckert konnte schon 2017 mit seinem Debütalbum "Optimist" einen ersten Achtungserfolg in der blau-weißen Heimat feiern. Jetzt wagen die talentierten Multiinstrumentalisten aus Sandersdorf im Schlambachtal den nächsten Schritt. Dafür ließen sie sich musikalisch unter anderem vom VHS-Zeitalter inspirieren, wie gleich zu Beginn die verzerrte elektronische Stimme in "Komm her" erahnen lässt. "Anna" tanzt direkt weiter im Discolicht der 80-er und geht dann in die nach Abschlussball-Schmonzette klingende Nummer "Komplett ignorieren" über, die von Streichern dramatisch in Szene gesetzt wird. Spätestens beim anschließenden Stück "I hoit an dir fest" wird sich dann für den Hörer entscheiden, ob er Pam Pam Ida eigenartig und albern oder eben doch ganz charmant findet. Da verkündet Eckert schmachtvoll: "Für mi bleibst du ewig scheeeeee."

Retro-Chic und Heimatliebe

Doch, Pam Pam Ida sind cool. Allein schon, wie selbstbewusst und flexibel Eckert, langjähriger Student an der Musikhochschule in Regensburg, sein Organ einsetzt: Da wird stilsicher von Tief nach Hoch gewechselt, als würde man die Alpen hinaufmarschieren. Neben den Gefühlsduseleien bleibt auch Zeit für Konsumkritik ("Kaff den Scheiß!"), es geht also auch nicht nur um die ganz einfachen Alltäglichkeiten. Live treten Pam Pam Ida übrigens gerne mit dem Silberfischorchester auf, um das klangliche Spektrum zu erweitern. Neben 80er-Synthesizern, Schlagzeug, Gitarre und Klavier sind dann auch mal Pop-untypische Instrumente wie ein Alphorn zu hören.

Irgendwo zwischen Retro-Chic und Heimatverbundenheit spielen sich die Bayern auf ihrem zweiten Album durch insgesamt 14 Stücke, von denen man vielleicht denken könnte, dass sie nur in Bayern funktionieren. Doch die ansteckende gute Laune dieser Band, die so strotz vor Spielfreude, wird man überall verstehen. Pam Pam Ida spielen einfach genau die Musik, auf die sie Lust haben. Das ist in einer Branche, in der man sich vor Trends und den damit verbundenen Verlockungen kaum retten kann, für sich schon ziemlich cool.