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Intellekt und Narrentum

Joe Jackson
Das Album "Fool" beweist: Joe Jackson ist noch immer für eine Überraschung gut.

Man traut seinen Ohren kaum, wenn man die ersten Tracks von "Fool" hört. Aber ja, es ist wirklich Joe Jackson, der da voller Inbrunst Krawall und Remmidemmi macht. Viele Musiker werden im fortgeschrittenen Alter etwas ruhiger, aber Joe Jackson, der zwischen Punk, New Wave, Pop und Jazz schon alles durch hat, entdeckt auf seinem 20. Studio-Album "Fool" wieder seine Liebe zu harter Rockmusik.

Der Opener "Big Black Cloud" und das darauffolgende Stück "Fabulously Absolute" sind frech hingerotztes Sperrgepäck, das man eher dem Debüt eines jungen Rebellen als dem Spätwerk eines 64-Jährigen zuordnen würde. Trotzdem hört man hinter dem Brett aus wuchtigen Rock-Klängen immer auch das für den Briten charakteristische Faible für vertrackt-komplexe Kompositionen heraus.

Erst in dem klavierlastigen Ohrwurm "Dave" und dem verträumten, jazzig-verspielten Titel "Strange Land" erkennt man den Joe Jackson wieder, der die Musikwelt einst mit Hymnen wie "Is She Really Going Out With Him?" (1978) oder "Steppin' Out" (1982) beschenkte. "Ich hatte kein klares Konzept im Kopf, als ich die Songs für das Album schrieb, aber manchmal bildet sich eines im Laufe der Arbeit", lässt sich Jackson von seinem Label zitieren. "In diesem Falle waren es die beiden Themen von Komik und Tragödie, und die Weise mit der sie in unser Leben verstrickt sind."

Der Track "Friend Better" klingt ein wenig, als hätte Prince im Musik-Himmel beschlossen, eine Unplugged-Band mit handgemachtem Rock zu gründen. Der Titelsong "Fool" verwebt orientalische Sitar-Klänge und wildgewordene Drums mit westlichen Pop-Mustern und südamerikanischen Rhythmen zu einem fliegenden Klangteppich - Musik ist eben die internationalste aller Sprachen. "32 Kisses" beginnt unspektakulär, bevor das Lied plötzlich von leichtfüßigem Pop zum schweren Pathos hinschwenkt.

"Das ist genug"

Für stilistische Überraschungen, gerne auch mal mitten im Song, ist Joe Jackson immer gut. Das ist eines der Alleinstellungsmerkmale, die ihn bei aller Gefälligkeit schon immer von seinen Mitbewerbern unterschieden. Zudem war er immer ein bisschen zu intellektuell für die Chart-Radiosender - auch das hat sich auf "Fool" nicht geändert.

Man könnte bemängeln, dass die neue Scheibe mit der atmosphärischen Ballade "Alchemy" nach nur acht Tracks schon wieder endet. Der Meister selbst, großgeworden in der Ära der LP, findet das so aber genau richtig: "Ich finde, das ist genug. Gerade weil das Wiederaufleben von Schallplatten gerade so einschneidend ist - für mich ist dies ein Album, das zwei sich ergänzende Seiten von je circa 20 Minuten hat."