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Eine Frage, viele Antworten

Papa Roach
Vertrauenssache: Papa Roach unternehmen mit ihren Hörern auf "Who Do You Trust?" eine kurvige Reise.

Nein, pflegeleicht waren Papa Roach noch nie. Trotz definierender Momente wie dem Debüt "Infest" (2000) und Songs wie "Last Resort" entflohen sie rasch dem engen Nu-Metal-Korsett. Die vier US-Musiker verstehen sich dem Namen nach ja auch als Küchenschaben ("roach"). Lichtscheu, flink und schwer einzufangen. Diese Eigenschaften prägten die Laufbahn von Papa Roach auf unterschiedliche Weise, und nach dem gelungenen letzten Album "Crooked Teeth" (2017) kommen sie auch auf "Who Do You Trust?" wieder zum Tragen.

Die große emotionale und stilistische Bandbreite ist eine der Kernkompetenzen auf dem inzwischen zehnten Album von Papa Roach. Da ist etwa der kompakte Punk-Wutausbruch "I Suffer Well!!!", dessen Signalwirkung im Geflecht der Platte lange nachhallt. Das von Jason Evigan (Madonna, David Guetta) produzierte Stück "Top Of The World" hingegen driftet mit seinem starken Elektroneinschlag und einem käsig vorgetragenen Refrain in eine komplett andere Richtung. Wie hätten Sie denn Ihr Gericht gerne zubereitet? Bitte von allem etwas. Auf jeden Fall scharf und mild, knusprig gebacken und leicht zu kauen.

Der Großteil des Albums wurde produziert von Colin "Brittain" Cunningham und Nicholas "Ras" Furlong, der auch schon mit Blink-182, Good Charlotte und Avicii arbeitete. "Elevate" gibt sich rap-poppig und erinnert etwas an den Kurs, den Linkin Park zuletzt einschlugen. "Renegade Music" fließt mit einer angenehm vertrauten Härte durch den Kanal, und der Titelsong kann nicht nur mit einem ebenso originellen wie amüsanten Videoclip aufwarten, sondern bedient sich freudvoll am reichen Buffet der Musikgenres. Rock, Pop, Rap und Nu Metal - alles dabei.

Sehr einheitlich oder profilstark ist das alles natürlich nicht. Etwas überspitzt ausgedrückt könnte "Who Do You Trust?" auch als Album mehrerer Bands verkauft werden. Man muss sich einfach mit Jacoby Shaddix und seinen Jungs treiben lassen und sehen, wohin die Reise geht. Langweilig wird es dabei sicher nicht.