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Leinwandtaugliche Hommage

Das Biopic über Queen-Frontmann Freddie Mercury überzeugt vor allem durch Hauptdarsteller Rami Malek, auch wenn einige Fakten auf der Strecke bleiben.

Fast 27 Jahre ist es her, dass die Musikwelt einen der ganz Großen verloren hat. Am 24. November 1991 starb Farrokh Bulsara, besser bekannt als Freddie Mercury, im Alter von nur 45 Jahren an den Folgen seiner HIV-Infektion. Mit seiner Band Queen hat Mercury die Rockmusik revolutioniert, Songs wie "Bohemian Rhapsody", "We Are The Champions", "Somebody To Love" oder "We Will Rock You" sind bis heute unvergessene Welthits. Das Biopic "Bohemian Rhapsody" lässt die beeindruckende Karriere der Band und die bewegte Lebensgeschichte ihres Sängers nun Revue passieren.

Zugegeben: Man hatte mit diesem Film fast nicht mehr gerechnet. Die Arbeiten daran begannen bereits vor Jahren - stets unter den wachsamen Augen der beiden Queen-Mitglieder und Co-Produzenten Brian May und Roger Taylor. Schon früh verließ Sacha Baron Cohen, der zunächst als Freddie Mercury vorgesehen war, das Set, weil sich seine Vision des Films nicht mit der von May und Taylor vereinen ließ. Zuletzt wurde "X-Men"-Regisseur Bryan Singer knapp drei Wochen vor Ende der Dreharbeiten wegen interner Streitereien entlassen, und Dexter Fletcher musste den Job zu Ende bringen. Dass der Film eine solch schwere Geburt war, merkt man ihm allerdings nicht an.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1970 in London. Als der Rockband Smile ihr Sänger abhandenkommt, bewirbt sich der wegen seines Aussehens damals noch schüchterne Freddie Mercury (Rami Malek) um den Posten. "Nicht mit den Zähnen, Kumpel", knallen Gitarrist Brian May (Gwilym Lee) und Schlagzeuger Roger Taylor (Ben Hardy) ihm zunächst an den Kopf, doch als Mercury zu singen beginnt, hat er den Job.

Unter dem Namen Queen feiert die Band schnell erste Erfolge, was nicht zuletzt an Mercurys bald extravagantem Auftreten liegt. Der große Durchbruch gelingt ihnen 1975 mit der Single "Bohemian Rhapsody" - einer Rockoper, deren Erfolg außerhalb der Band niemand für möglich gehalten hätte. Derweil kommt es zu ersten Unstimmigkeiten zwischen den Bandmitgliedern, und auch Mercurys Beziehung zu der Verkäuferin Mary Austin zerbricht, als er erkennt, dass er eigentlich auf Männer steht. Drogen und Alkohol sorgen schließlich dafür, dass er immer weiter abdriftet.

Rami Malek ist zweifellos das Zentrum des Films und die perfekte Besetzung - und das liegt nicht an der (etwas übertriebenen) Überbiss-Prothese. Mit einem Bewegungscoach studierte er die Gesten und Mimik von Freddie Mercury perfekt ein. So gelingt es ihm, Mercury für gut zwei Stunden wieder zum Leben zu erwecken. Auch Gwilym Lee als studierter Astrophysiker Brian May ist brillant, genauso wie der Cameo-Auftritt von Mike Myers als grimmiger Plattenfirmenboss - ein augenzwinkernder Verweis auf die Kult-Komödie "Wayne's World".

Einziger Kritikpunkt, wenn man denn einen finden möchte: Die Realität wird hier und da leicht verzerrt, um die Geschichte dramaturgisch zu straffen und filmtauglich zu machen. Einige Jahreszahlen stimmen nicht, Mercurys Exzesse werden nur abgefedert wiedergegeben und Streitereien innerhalb der Band als lustig dargestellt.

Trotzdem ist "Bohemian Rhapsody" eine bewegende Hommage an eine große Band und einen einzigartigen Künstler. Gänsehaut stellt sich spätestens ein, wenn Freddie Mercury 1985 beim Live-Aid-Konzert im Londoner Wembley Stadion die Bühne betritt - der Auftritt wurde damals von 1,9 Milliarden Menschen in 150 Ländern gesehen und gilt bis heute als eine der besten Live-Shows überhaupt.