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Mach deinen Frieden mit dem Monster

Brutal, künstlerisch anspruchsvoll und erfrischend unkommerziell: Juan Antonio Bayona und Patrick Ness schufen ein mutiges Sterbedrama für Kinder, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Wohl jeder kennt diese Sorte Film: solche, die man als Kind gesehen hat, die sich einbrannten ins Gehirn, die einem fürs Leben im Gedächtnis bleiben. Nicht die gezuckerten Disney-Klassiker, an die man sich als Erwachsener mit einem "Hach, schön" erinnert. Sondern jene zwei oder drei Filme, die etwas entschieden Abgründiges an sich hatten und für die man damals eigentlich noch etwas zu jung war. Für die einen war das vielleicht "Animal Farm", für andere "Unten am Fluss" oder "Das letzte Einhorn". Die internationale Koproduktion "Sieben Minuten nach Mitternacht" (2016, nun erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand) könnte für viele junge Menschen von heute auch ein solcher Film werden, den sie nicht vergessen.

"Sieben Minuten nach Mitternacht", entstanden nach einem Roman von Patrick Ness, der auch das Drehbuch verfasste, ist ein Sterbedrama für Kinder und erzählt vom jungen Conor (Lewis MacDougall). Seine Mutter Elizabeth (Felicity Jones, "Rogue One: A Star Wars Story") ist schwer krank. Immer neue Therapien werden ausprobiert, aber nichts hilft. Der Zustand seiner Mutter verschlechtert sich, und der 13-jährige Conor weiß insgeheim, worauf diese Geschichte hinausläuft. Er will es nur nicht wahrhaben.

Wie ist das für ein Kind, wenn es der Mutter beim Sterben zusehen muss? Es ist nicht zu fassen, nicht für Conor, der völlig den Boden unter den Füßen verliert. Sein Vater (Toby Kebbell) lebt schon lange getrennt von der Mutter; gegen seinen Willen - er möchte bei seiner Mama bleiben - muss der Junge zur strengen Großmutter (Sigourney Weaver) ziehen. Da ist Conor bereits dabei, in eine angsteinflößende Fantasiewelt voller Gewalt, Blut und Tod abzudriften. Jeden Abend, genau sieben Minuten nach Mitternacht, erwacht ein Baum vor Conors Schlafzimmer zum Leben - ein aufbrausendes, furchterregendes Monster, das irgendetwas von Conor will. Oder ist es Conor, der eigentlich etwas von dem Ungetüm will?

Es geht in dieser Geschichte, klar, ums Loslassen und Erwachsenwerden. Selten wurden diese Themen in einem Film für Kinder so virtuos bearbeitet wie in "Sieben Minuten nach Mitternacht" und womöglich nie so brutal und kompromisslos. Doch haben der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona und der Autor Patrick Ness mitnichten einen Film ohne Herz fabriziert. Der Härte ihres bewundernswert unkommerziellen Werkes setzen sie ein enormes Maß an Einfühlungsvermögen entgegen. Zwar gibt es über die gesamte Spieldauer nicht einen Sonnenstrahl, aber doch viel Wärme und manchen Moment, der zu Tränen rührt.