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Winter's Bone

Verzweifelt sucht die siebzehnjährige Ree ihren Vater, der untergetaucht ist und das Haus der Familie samt Grundstück verpfändet hat. Wenn sie ihn nicht auftreiben kann, wird sie mit ihren kleinen Geschwistern und der kranken Mutter auf der Straße stehen. In den Wäldern der Ozark Mountains spielt dieser Film. In einer Welt, die aus der Welt gefallen zu sein scheint. In heruntergekommenen Blockhäusern haben sich die Menschen notdürftig eingerichtet. Unbehauste Gestalten, die quasi von der Hand in den Mund leben. Bei ihren Nachbarn findet Ree kaum Unterstützung, als sie nach ihrem Vater sucht, überall stößt sie auf eine eiserne Wand des Schweigens.
Filmdaten:
Originaltitel: Winter's Bone
Jahr: 2010
Regie: Debra Granik (Director)
Schauspieler: Ree Dolly (Jennifer Lawrence) , Teardrop (John Hawkes) , Little Arthur (Kevin Breznahan) , Merab (Dale Dickey) , Sheriff Baskin (Garret Dillahunt) , April (Sheryl Lee) , Sonya (Shelley Waggener) , Sonny (Isaiah Stone) , Ashlee (Ashlee Thompson) , Connie (Valerie Richards)
Wertung:
Brutalität unbemerkt
Im Süden von Missouri gibt es einen besonderen Landstrich, die Ozarks. Das Bergvolk dort ist bestimmt nicht für jeden Spaß zu haben. Und Nachfragen kann es noch weniger leiden. Ein junges Mädchen stellt die Leute auf die Probe.

Es ist ein kleiner, deprimierender Film, ein Abgesang auf die Südstaaten-Romantik und das Countryflair. Die schroffe, unaufwendige Bestsellerverfilmung "Winter's Bone" ist für die Karriere von Jennifer Lawrence zum Vehikel geworden. Von nichts anderem ist mehr die Rede als von ihrer Leistung, ihrer Oscar-Nominierung und den Hauptrollen, die das junge Mädchen nun reihenweise angeboten bekommt.

Schon heute wird darauf hingewiesen, dass die 20-Jährige aus Kentucky in einem Jahr als Katniss Everdeen auf der Leinwand erscheinen und ergo die Hauptrolle in der Fantasy-Reihe "Die Tribute von Panem" spielen wird. Zukunftsmusik. Ab 12. Mai wird sie an der Seite von Jodie Foster und Mel Gibson im Familiendrama "Der Biber" zu sehen sein. Vom 9. Juni an dann im Spin Off von "X-Men".

Doch zurück zu dem Film, mit dem alles seinen Anfang nahm: Zur Geschichte der 17-jährigen Ree Dolly, die sich allein um ihre beiden jüngeren Geschwister Sonny (Isaiah Stone) und Ashlee (Ashlee Thompson) kümmern muss. Ihre Mutter ist psychisch krank und ihr Vater, ein Drogendealer, lange schon verschwunden. Ree lebt mit großer Ruhe ihr Leben in der Einöde, im südlichen Missouri. Sie hackt Holz, kümmert sich um ihre Mutter, bringt den beiden Kindern bei, was ihnen beim Überleben in der rauen Landschaft helfen könnte. Bis ihr Vater bei einer Gerichtsverhandlung nicht auftaucht: Wenn er nicht innerhalb von sieben Tagen vor Gericht erscheint, wird das Haus samt Grundstück verpfändet. Die Gerüchte kochen hoch, als Ree beginnt, ihren Vater in den Wäldern Missouris zu suchen. Sie wird bedroht und oft belogen.

Jeder weiß es besser, was mit dem Vermissten passiert sein könnte. Und jeder schweigt beharrlich, was helfende Details angeht. Das Mädchen klappert alle Stationen ab, die sie weiterbringen könnten. Auf ihrer Suche hat sie nichts zu verlieren. Eine Suche, die bedrohliche Züge annimmt, denn entweder spricht sie mit Süchtigen oder mit Dealern. Und nicht alle haben sich ein Stück Menschlichkeit bewahrt wie der Bruder ihres Vaters, Teardrop (John Hawkes).

Die Kamera behält konsequent die Perspektive der 17-Jährigen bei, wie sie ausharrt, gegen Betonmauern läuft, wartet, fragt. Das ist dramaturgisch gesehen nicht besonders spannend. So sind sie vielleicht, die Südstaatler. Stoische Brocken, auch wenn ein noch nicht mal erwachsenes Familienoberhaupt mit langen blonden Haaren auf den ersten Blick nicht so wirkt. Rees Beharrlichkeit im Gegensatz zum freundlichen Äußeren wird schön ausbalanciert. Und nie versucht "Winter's Bone", Ree erwachsener hinzubasteln, als sie ist.

Authentizität war das Schlüsselwort bei der Verfilmung des Bestsellers von Daniel Woodrell. Regisseurin Debra Granik wollte sich des heiklen Themas nicht annehmen, ohne sich in der Realität der Geschichte umgesehen zu haben. Die Erzählung ist tief verwurzelt im ländlichen Missouri, daher wollte Granik Leute aus der Umgebung haben. Deren Vertrauen musste sie erst mal erwerben. Wie ist der Hinterwäldler wirklich? Wo ist sein wunder Punkt und wann wird er gefährlich? Gäbe es von diesen Vorarbeiten Kameraaufnahmen, wäre das ein spannendes Making Of: Wie mögen die realen Vorbilder des ebenfalls oscarnominierten John Hawkes und der beeindruckenden Dale Dickey wohl sein, wenn ihre Leinwandabbilder einem eiskalte Schauer über den Rücken jagen?

Im Film jedoch geht das Augenmerk auf die Umgebung, in der der Name schnell als Markenzeichen gilt, verloren. Der Blick wird allein auf die sanfte Löwin gerichtet. Doch es geht in keinem Moment darum, wie sie kämpft, die "echte Dolly", sondern wofür. Für ihre schäbige kleine Welt.

Genau deswegen eignet sich "Winter's Bone" nicht zum Hollywooderfolg. Zu dreckig, zu brutal und zu schroff ist das Werk. Doch manchmal werden kleine Filme durch mehrere Zufälle bekannter als gedacht. Da bleibt dann nicht viel mehr, als Pate zu stehen für ein Mädchen auf dem Sprung nach oben. Und so wird Jennifer Lawrence nach dem psychologisierenden Klamauk im "Biber" und den tollen Special Effects von "X-Men: Erste Entscheidung" eben in "Die Tribute von Panem" spielen. Weil sie da im postapokalyptischen Panem wieder löwinnengleich für ihre Familie sorgt, Gladiatorenkämpfe für ihre kleine Schwester ausficht. Dass sie für ein solches Fantasyspektakel besetzt wird, zeigt, dass von den Verantwortlichen keiner "Winter's Bone" verstanden, ja, wahrscheinlich nicht einmal gesehen hat.

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