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Rogue One: A Star Wars Story

Schwere Körperverletzung, Besitz gestohlener Güter, Fälschung imperialer Dokumente – Jyn Erso hat eine Reihe Schandtaten in ihrem Lebenslauf, als sie von den Rebellen angeheuert wird. Andererseits: Der Kampf gegen das Imperium wird nicht mit Samthandschuhen gewonnen, das wissen die Widerstandskämpfer um Mon Mothma. Und außerdem war Jyns Vater Galen Erso maßgeblich daran beteiligt, die neue Superwaffe des Imperiums zu bauen, weswegen sein Insiderwissen und Jyns Verbindung zu ihm wertvoll sind.
Filmdaten:
Originaltitel: Rogue One: A Star Wars Story
Jahr: 2016
Regie: , Gareth Edwards (Director)
Schauspieler: TBA (Felicity Jones) , (Diego Luna) , (Mads Mikkelsen) , (Ben Mendelsohn) , (Alan Tudyk) , (Forest Whitaker) , (Donnie Yen) , (Riz Ahmed) , (Jonathan Aris) , (Jiang Wen)
Wertung:
Von den Plänen eines jungen Stars
Der "Star Wars"-Ableger "Rogue One" erzählt die Vorgeschichte der Rebellen aus dem ersten Film von 1977. Düster und gewaltvoll zeigt das Nostalgie-Spektakel endlich wieder einen echten Krieg der Sterne.

Unglaubliche 40 Jahre ist es bald her, dass die staunenden Zuschauer folgenden Schriftzug lasen: "Während der Schlacht ist es Spionen der Rebellen gelungen, Geheimpläne über die absolute Waffe des Imperiums in ihren Besitz zu bringen, den Todesstern." Der damals mysteriöse Satz stammt aus dem Eröffnungstext des ersten "Star Wars"-Films, der 1977 hierzulande unter dem Titel "Krieg der Sterne" erschien und eine beispiellose Erfolgsgeschichte nach sich zog. Durch Disney geriet die Weltraum-Saga zum modernen Franchise, das auch abseits von Luke und Leia nach Gewinn trachtet. Entsprechend skeptisch kann man "Rogue One - A Star Wars Story" begegnen, einem Spin-off, das die Story hinter jenem legendären Intro-Satz erzählt. Doch trotz vergleichsweise blasser Charaktere entfacht das Quasi-Prequel um den Diebstahl der Todesstern-Pläne nicht nur ein Nostalgie-Spektakel sondergleichen. Vor allem bringt der düstere "Star Wars"-Ableger nach langer Zeit wieder einen echten Krieg der Sterne auf die Leinwand.

Als George Lucas seinen größten Schatz vor ein paar Jahren weiterreichte, das Franchise und die Produktionsfirma Lucasfilm in die Hände von Disney gab, war die Aufregung groß. Fans befürchteten eine Verniedlichung, eine radikale Jar-Jar-Binksierung. Eine (bislang) ungerechtfertigte Sorge: J.J. Abrams' "Das Erwachen der Macht" erhielt größtenteils positives Feedback; am Ende sorgte gar die penible Adaption der Original-Ästhetik für die schärfsten Kritiken. Unter Regie von Gareth Edwards ("Godzilla") schlägt "Rogue One" optisch und formal in dieselbe Kerbe: Sensationell detailgetreu eignet sich der Film den 70er-Stil der ersten Trilogie an: die altmodischen Autoritäts-Uniformen, die naiv designten Raumschiff-Konsolen-Knöpfchen, die Rebellen in ihren Hippie-Klamotten.

Glaubwürdig kreiert das Nostalgie-Spektakel die imperial beherrschte "Star Wars"-Welt Jahre nach den Ereignissen in "Die Rache der Sith" (2005) und kurz bevor Luke Skywalker und Han Solo in "Eine neue Hoffnung" (1977) die Bühne betreten. Es ist eine dunkle, feindliche Welt, die "Rogue One" in überragenden 3D-Bildern erschafft.

Getragen wird der gewaltvolle, absolut nicht kindgerechte Kriegsthriller, in dem niedliche Sidekicks wie BB-8 keinen Platz haben und ein Jar Jar Binks wohl gnadenlos gemeuchelt würde, von einer ausgewogenen Mixtur aus echten Figuren und Animationen. Am beeindruckendsten wird der aktuelle Stand digitaler Charaktere an einer Wiedererweckung deutlich: Großmoff Tarkin, ursprünglich vom 1994 verstorbenen Peter Cushing verkörpert, ersteht dank CGI wieder leibhaftig in seiner standartenführerhaften Erscheinung auf und überwacht die Vollendung des Todessterns.

Um jene wohlbekannte Superwaffe des Imperiums dreht sich in "Rogue One" alles: Verantwortlich für deren Bau ist der neue Imperiums-Handlanger Orson Krennic, gespielt vom charismatischen Emmy-Gewinner Ben Mendelsohn ("Bloodline"), von dem man noch hören dürfte. Als Inbegriff postmoderner "Star Wars"-Ambivalenz ist er getrieben, unsicher, neurotisch - vor allem, weil ihm ein weiterer berühmter und behelmter, röchelnder Chef im Nacken sitzt, der kurze, aber intensive Auftritte erhält. Derlei momenthafte Wiedersehen mit alten Bekannten sowie nostalgische Anspielungen liefert "Rogue One" durchaus - allerdings meist in Ecken, die wohl nur Kenner ausleuchten.

Anders als in "Das Erwachen der Macht" sind die Rebellen gänzlich neu zusammengewürfelt. Eine neben der Ästhetik wesentliche Parallele gibt es aber: Abermals spielt eine Frau die Hauptrolle, was so manchen orthodoxen männlichen Fan verärgerte. Auch Jyn Erso, verkörpert von einer sympathisch stereotypenfreien Felicity Jones, behauptet sich wie zuletzt Rey als starker weiblicher Charakter, der sich nicht von Typen abhängig macht.

Eine Wahl hat sie kaum: Seit ihrem 15. Lebensjahr schlägt sich die junge Frau als Kleinkriminelle allein durch - ihr Vater verließ sie früh. Mit Grund, wie man eindrücklich Zeuge wird: Der alte Herr (Mads Mikkelsen, der wie für "Star Wars" geschaffen scheint) half einst, den Todesstern zu bauen - was Jyn wiederum trotz ihrer Eskapaden für die Rebellion extrem wertvoll macht. Der geschulte Fan merkt: Die Tradition der Problemfamilien, die in "Star Wars" schon immer eine Rolle spielte, wird auch im Ableger fortgesetzt.

Die im Diebstahl geübte Jyn soll als Anführerin einer bunten Rebellentruppe Dokumente stehlen, die das Schicksal des Universums verändern können: Das Wissen darüber, wie der Todesstern zu vernichten ist, wird folgenreich sein - wie alle wissen, die den ersten "Star Wars"-Film aus dem Jahr 1977 kennen. Gemeinsam mit Captain Cassian Andor (Diego Luna), dem blinden Chirrut Imwe (Donnie Yen) und dessen Kumpel Baze Malbus (Jiang Wen) sowie besagtem Droiden K-2SO infiltriert die smarte Kämpferin das Imperium.

Dass die Charaktere um Jyn im Wesentlichen ziemlich austauschbar daherkommen, liegt auch in der Natur der Spin-off-Sache: Statt liebenswerte Figuren empathisch weiterzuentwickeln, schafft "Rogue One" eine Art Einweg-Superhelden-Ensemble, dem es zuvorderst um lockere Sprüche und eindrucksvolle Kämpfe geht. Bezeichnend dafür ist, dass der grandios animierte Droide K-2SO mit seinem unterhaltsamen selbstgefälligen Zynismus tatsächlich das charismatischste Teammitglied stellt.

Eine Rolle spielt das kaum: Der Versuch, die Baupläne des Todessterns zu stehlen, mündet in einem gewaltigen Action-Spektakel, das dank detailgetreuer "Star Wars"-Retro-Ästhetik alles andere als seelenlos daherkommt. Da krachen Sternenzerstörer ineinander, da jagen sich X-Wings und TIE-Fighter bis aufs Blut, da behaupten sich Rebellen gegen gigantische AT-ATs, dass es eine Freude ist.

Ob im All oder auf wundervoll entworfenen Planeten, ob in den mit vibrantem Leben erweckten Metropolen oder in den unwirtlichen Winkeln des "Star Wars"-Universums: "Rogue One", der bislang brutalste und düsterste Film des Franchise, zeigt endlich wieder einen echten Krieg der Sterne.

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