Freunde - Mi. 20.10. - ARD: 20.15 Uhr

Wiedersehen macht Freunde?

18.10.2021 von SWYRL/Wilfried Geldner

Patrick (Justus von Dohnányi) glaubt, am Ende zu sein. Einsam und verlassen sitzt er in der väterlichen Villa. Doch unvermittelt trifft sein alter Freund Malte (Ulrich Matthes) ein. "Life goes on" ist jetzt die Devise in diesem bemerkenswerten Mittwochsfilm.

Erstaunlich unbekümmert macht sich ein Eindringling an der Haus- und Gartentüre zu schaffen, durchstreift dann die alte Villa, als sei er nur mal kurz weg gewesen. Fast surreal ist die Begegnung zwischen dem Hausherrn und seinem Besucher. Erst später stellt sich heraus, dass beide, getrennt voneinander, einer Verabredung folgten. Zwei Freunde, Patrick (Justus von Dohnányi) und Malte (Ulrich Matthes) sehen sich nach über 30 Jahren wieder. Patricks verstorbene Ehefrau hat die Begegnung eingefädelt vor ihrem Tod. Es galt, ein lange gehütetes Geheimnis zu lüften. Schlicht "Freunde" ist der ARD-Film überschrieben, bei dem Rick Ostermann ("Das Boot") Regie führte.

Malte, der Eindringling, bewegt sich im Haus des Freundes wie selbstverständlich. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein. Mag der Hausherr, Fabrikantensohn und inzwischen selber pleite, auch noch so sehr in seinem Schmerz erstarren und an Selbstmord denken - Malte gibt sich unbekümmert, greift im Kühlschrank zum Pils, schaltet wie damals die alte Musikbox ein, kocht mit Patrick "zum ersten Mal" zusammen. Der mit Eisen vergitterte Weinkeller des Vaters wird geplündert. Die Rotwein-Enttäuschung - Lambrusco mit Schraubverschluss - stellt sich als passend zu den seit Jahrzehnten abgelaufenen Spaghetti heraus.

Als Malte dann auch noch "den Grabowski" aus der Tasche zieht und mit dem Holz-Fußballer Revanche für ein damals verlorenes Kickerspiel nehmen will, scheint alles auf die gängige Frage: "Weißt du noch ...?" hinauszulaufen.

Doch die Story, die sich lange Zeit nicht zwischen Boulevard und empfindsamem Buddy-Movie entscheiden will, nimmt dann sehr vorsichtig und leise eine überraschende Wendung. Wie war das damals mit Anja, Patricks Ehefrau? Hatte nicht Malte was mit ihr gehabt, just zu Zeiten ihres dringenden Kinderwunsches?

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Die Freunde sind wie ein altes Ehepaar

Regisseur Rick Ostermann und David Ungureit (Buch) scheuen sich nicht, wunderbar altmodisch zu sein. Schon der Blues-Swing deutet das an, gleich zu Beginn. Ulrich Matthes und Justus von Dohnányi, die alten Freunde, sind großartig in ihren Erinnerungen und Vorwürfen auf der vergeblichen Suche nach der verlorenen Zeit. Dohnányi steckt als einst verlassener Verlierer die Vorwürfe des Freundes wie ein guter Boxer weg. Matthes setzt seinerseits seinen undurchdringlichen Rätselblick auf: Macht er den Narren nur, um den Freund zu erheitern, oder war er schon immer der Unempfindlichere der beiden?

Egal - am Ende gibt es zwei stolze Männer, posthum beglückt. Freunde aber können wie ein altes Ehepaar sein - sich streiten, lieben und hassen. Bruno, die Schildkröte, die laut Abspann eigentlich Suse heißt und immer wieder den Rhythmus des Films bestimmt, weiß sicher ein Lied davon zu singen.

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