Die heimlichen Hoffnungsträger?

"Weinen werden wir später": Ukrainische Jugend spricht in ZDF-Doku über den Krieg

18.01.2023 von SWYRL/Aylin Rauh

Vor einem Jahr griff Russland die Ukraine an, seitdem herrscht Krieg in diesem Land. Doch die Menschen geben die Hoffnung auf eine Rückkehr in das gewohnte Leben nicht auf - insbesondere die Jugend kämpft für eine bessere Zukunft.

Bombeneinschläge, zerstörte Häuser, Versorgungsnot und nicht zuletzt die Flucht aus der eigenen Heimat: Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine mussten die Bewohnerinnen und Bewohner des Landes viele Opfer erbringen. Dabei schaut die ganze Welt zu: Durch die umfassende Berichterstattung können sich alle ein Bild von der Situation im osteuropäischen Staat machen. Was jedoch in keinster Weise nachzuvollziehen ist, ist die Gefühlslage der Menschen vor Ort. Wie geht es den Ukrainern in dieser schlimmen Situation wirklich? Welche Nöte, aber auch welche Hoffnungen haben gerade junge Menschen angesichts des verheerenden Kriegsgeschehens noch? - Das sind die Fragen, mit denen sich Jens Strohschnieder in seiner ZDFzoom-Dokumentation "Weinen werden wir später - Junge Ukrainer und der Krieg" (Mittwoch, 18. Januar, 22.45 Uhr, ZDF) intensiv beschäftigt. In der ZDFmediathek ist der Film spätestens ab dem Ausstrahlungstag abrufbar.

Es ist ein durchaus beeindruckendes Stimmungsbild, das hier anhand einzelner Schicksale vermittelt wird, denn die ukrainische Bevölkerung hält tapfer an der Vorstellung einer besseren Zukunft in Demokratie und Freiheit fest. In den dunkelsten Stunden spenden sich junge Menschen Trost, der Zusammenhalt ist stärker als je zuvor. Die Jugend in der Ukraine kämpft tagtäglich für eine Rückkehr in die Normalität, wie der Film zeigt. "Weinen werden wir später" - der Filmtitel spiegelt die Einstellung der ukrainischen Jugendlichen offenbar wider: weiterkämpfen und nicht aufgeben.

Viele geben sich dabei trotzig. "Wir lachen mit meinen Freunden darüber, dass wir nach dem Krieg in der Küche weinen werden. Dafür ist jetzt noch keine Zeit", erklärt etwa die 28-jährige Architektin Uliana Dzhurliak, deren Freund im Sommer als Soldat starb. Es sind Aussagen wie diese, die den Beitrag, der ohne aufgesetztes Drama und Erzählstimme auskommt, prägen. Es sind die größtenteils erschütternden Bilder, die in dem etwa 30-minütigen Film für sich sprechen und eine Unmittelbarkeit erzeugen, die in der News-Berichterstattung sonst nicht zu finden ist.

Jugendliche berichten direkt aus ihrem Leben - vor und während des Krieges. So wie Anton Atamanchuk, der als Grundschullehrer arbeitet. "Es war der Traum meines ganzen Lebens, und ich habe ihn verwirklicht", erklärt er. Sein Leben vor dem Krieg war "wunderschön". "Das Jahr vor dem Krieg war für mich eines der produktivsten, schönsten und angenehmsten Jahre", erinnert sich Dzhurliak. Dmytro Kyrpa war vor dem Krieg als IT-Spezialist tätig, er "besuchte Partys und machte alles, was Männer in ihren 30-ern machen". Man sieht hier einfach ganz normale junge Menschen, deren Leben urplötzlich aus den Angeln gerissen wurde. Sie tragen nun die Trauer und Last eines ganzen Landes auf ihren Schultern - und natürlich die Hoffnungen.

Abonniere doch jetzt unseren Newsletter.

Abonniere doch jetzt unseren Newsletter
Mit Anklicken des Anmeldebuttons willige ich ein, dass mir die teleschau GmbH den von mir ausgewählten Newsletter per E-Mail zusenden darf. Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und kann den Newsletter jederzeit kostenlos abbestellen.

Willensstärke trotz schmerzhafter Verluste

"Eigentlich war mein Leben in Kiew sehr erfüllt", erklärt auch Friseurin Lesya Drozdova. "Es hat an nichts gemangelt." Und doch ist sie heute alles andere als verzweifelt. Obwohl die Protagonisten an unterschiedlichen Punkten im Leben stehen, haben sie eine Sache gemeinsam: die Willensstärke.

Doch bleiben bestimmte Bilder unvergessen. "Als ich die Bomben gehört habe, habe ich begriffen, dass ich sie nicht mit meiner Hand aufhalten kann", erinnert sich Valeria Shashenok, die als Fotografin arbeitet und auf TikTok Eindrücke aus ihrem Leben während des Krieges teilt. Ganze 14 Tage lebte sie mit ihren Eltern im Schutzraumbunker, bis sie alleine über Polen und Italien zu ihrem Bruder nach Deutschland flüchtete.

Was auffällt, ist, dass alle proaktiv und Lösungsorientiert um ein Stück Normalität ringen. Drozdova arbeitet nun eben mit Stirn- und Taschenlampen, um trotz der regelmäßigen Stromausfälle ihre Kunden zu betreuen. Kyrpa organisiert mit anderen Jugendlichen Aufräumaktionen, die mit Partystimmung und Musik kombiniert werden. Und Shashenok versucht mit ihrem Social Media-Content, den Menschen ein Lächeln zu schenken.

Das alles ist bewundernswert, wenn man bedenkt, in welcher Ausnahmesituation sich die ukrainische Bevölkerung befindet. Die Doku macht aus deutscher Perspektive sicher auch eines deutlich: Egal, wie sehr ältere Generationen mit dem Finger auf die Jugend zeigen, am Ende des Tages ist auf sie Verlass. Jedenfalls ist das in der Doku in der Ukraine offenbarte Engagement durchaus als vorbildlich zu erachten.

Das könnte dir auch gefallen


Trending auf SWYRL