"Markus Lanz"

Droht eine "Riesen-Fluchtwelle"? Ronzheimer skizziert bei Lanz düsteres Szenario für Kiew

20.02.2026 von SWYRL/Natascha Wittmann

Könnte Kiew womöglich bald "komplett dunkel" sein? Bei "Markus Lanz" schilderte Kriegsreporter Paul Ronzheimer die gravierenden Auswirkungen der russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur. Auch Politologin Ulrike Franke prognostizierte wenig Erfreuliches.

Fünf bis sieben Grad Celsius - und das innerhalb vieler Wohnungen: Das russische Militär nimmt zunehmend die Energieinfrastruktur in der Ukraine ins Visier. Angesichts des kalten Winters sind die Folgen für die ukrainische Bevölkerung drastisch. Markus Lanz nahm das am Donnerstagabend in seiner Sendung zum Anlass, ein aktuelles Stimmungsbild einzuholen. ZDF-Korrespondentin Katrin Eigendorf schilderte die Bedingungen vor Ort und fand deutliche Worte: "Die Ukraine ist gerade an einem absoluten Tiefpunkt angelangt." Laut Eigendorf hätten viele Menschen "gar keine Wärme", was vor allem "für alte Menschen (...) eine Katastrophe" wäre.

Ihre Bilanz fiel entsprechend düster aus: "Ich habe die Ukraine in den vier Jahren des Krieges noch nie in einer so katastrophalen Situation wie jetzt erlebt." Neben der Kälte komme eine "maximale Verunsicherung" hinzu, ausgelöst durch die anhaltenden Friedensverhandlungen mit Russland und die Frage, was sie für den Alltag der Menschen bedeuten könnten.

Kriegsreporter Paul Ronzheimer beschrieb ebenfalls, wie groß die Sorge inzwischen sei: "Ich höre, dass manche mittlerweile auch ein Szenario denken, dass Kiew komplett dunkel (...) - ohne Strom, ohne Wasser und ohne Heizung sein könnte, was dann natürlich eine Riesen-Fluchtwelle bedeuten würde." Politologin Ulrike Franke bestätigte in dem Zusammenhang, dass sich die russischen Angriffe spürbar verschärft hätten: "Die Intensität hat zugenommen."

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Paul Ronzheimer kritisiert ehemalige Bundesregierung: "Unglaublich fahrlässig"

Markus Lanz blickte dabei auch zurück auf die ersten Kriegswochen und zeigte sich irritiert, wie sehr Europa - und auch Wolodymyr Selenskyj - die Gefahr eines schnellen Vormarschs unterschätzt hatten: "Wir haben offenkundig nicht realisiert, was die Situation ist, was die Gefahr ist." Ronzheimer stimmte zu, ließ sich aber auch eine deutliche Kritik in Richtung Berlin nicht nehmen. Ronzheimer kritisierte, dass es "unglaublich fahrlässig" gewesen sei "von der gesamten Bundesregierung", dass Panzerabwehrwaffen erst so spät geliefert worden seien.

Das habe in der Ukraine große Irritationen gesorgt: "Das war etwas, was die Ukrainer wahnsinnig wütend gemacht hat, dass offenbar die deutsche Bundesregierung nicht an sie geglaubt hat." Ex-Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt räumte daraufhin ein: "Aus der Rücksicht würde ich auch sofort sagen: Das war ein schwerer Fehler."

Gleichzeitig erklärte er, warum die Regierung damals so gehandelt habe: "Das war ein Traditionsbestand der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik: keine Waffen in Kriegs- und Krisengebiete!" Außerdem habe man Putin auch "keinen Vorwand liefern" wollen. Ulrike Franke kommentierte derweil trocken: "Im Nachhinein ist man immer schlauer." Auf die Frage nach der aktuellen Stimmung im Land betonte Eigendorf, dass "die Entschlossenheit der Ukrainer (...) immer noch da" sei. Ronzheimer erklärte diese Haltung mit den Erfahrungen aus den besetzten Gebieten und verwies auf Butscha und Irpin: "Das nationale Trauma ist riesig." Er schilderte zudem persönlich, wie sehr ihn die Erlebnisse im Krieg geprägt hätten, und sagte über verstorbene Kollegen: "Das hat sich eingebrannt."

"Ich finde es immer noch schockierend, wie Russland hier vorgeht"

Eigendorf ergänzte weitere Beispiele für das Vorgehen russischer Truppen, sprach von Vergewaltigungen "als Methode" und "Entführungen von Kindern". Sie fasste ihre Eindrücke so zusammen: "Mit einer solchen Verachtung sind die dort vorgegangen, dass das schon eigentlich schwer fassbar war." Trotz langer Berufserfahrung habe sie besonders überrascht, "wie verroht diese Armee ist": "Dieses brutale und vernichtende Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung als System dieses Krieges: Ich finde es immer noch schockierend, wie Russland hier vorgeht."

Ronzheimer verwies zudem auf die veränderte Bedrohung durch Drohnen: "Es ist heute brutal viel gefährlicher." Zum Schluss stellte Lanz die Frage, ob der Krieg womöglich vor dem Ende stehe. Ulrike Franke entgegnete zurückhaltend: "Ich befürchte, dass dieser Krieg nicht allzu bald zu Ende gehen wird."

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