Der Dänemark-Krimi: Rauhnächte - Do. 14.10. - ARD: 20.15 Uhr

Nordic Noir aus Deutschland

11.10.2021 von SWYRL/Eric Leimann

Die ARD-Donnerstagskrimis, in denen deutsche Ermittler im pittoresken Ausland spielen, bekommen Zuwachs: Marlene Morreis und Nicki von Tempelhoff jagen Mörder rund um die mittelalterliche dänische Stadt Ribe. Von dort ist es nicht weit zur spektakulären Nordseeküste Jütlands.

Ribe, Dänemarks älteste Stadt, zählt mit etwas über 8.000 Einwohnern nicht unbedingt zu den Metropolen des ohnehin luftig besiedelten nördlichen deutschen Nachbarn. Trotzdem gibt es gute Argumente, hier einen neuen ARD-"Auslandskrimi" aus der Taufe zu heben: Ribe verfügt über eine schmucke mittelalterliche Kulisse. Die deutsche Grenze ist nicht allzu weit weg, ebenso wie die Nordseeküste Jütlands. Mit ihrer weiten Dünenlandschaft sowie endlosen, schroffen Sandstränden beginnt sie nur wenige Kilometer entfernt vom Stadtzentrum. Vor dieser Kulisse ermitteln ab sofort im "Dänemark-Krimi" die uniformierte Polizistin Ida Sörensen (Marlene Morreis) und ihr Vorgesetzter Magnus Vinter (Nicki von Tempelhoff).

"Rauhnächte", ihr erster Fall, beginnt mit einem ziemlichen Fauxpax der Ermittlerin. Daheim hatte Ida mit ihrem an einer schweren Schreibblockade leidenden Schriftsteller-Lebensgefährten Jannik Larsen (Tim Bergmann) ziemlichen Stress. Als sie nach der Auseinandersetzung wütend eine Nachtschicht übernimmt, läuft ihr eine ziemlich angeschlagene Frau auf der Polizeiwache in die Arme. Leider erkennt Ida nicht, dass es sich bei ihr um das überall gesuchte Entführungsopfer Smilla Vestergaad (Anne Kanis) handelt - weil zeitgleich eine Horde betrunkener und Halloween-mäßig verkleideter Menschen ihre Dienstelle bevölkern. Wenig später ist Smilla, die sich selbst von einer Kette im Wald befreit hat, wieder verschwunden. Vermutlich wieder eingefangen von ihrem Peiniger ...

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Serienmörder mit sadistischen Folterideen

Die Sache ist ein ziemlicher Polizei-Skandal. Aus dem nahen Esbjerk wird den Beamten in Ribe die toughe Ermittlerin Kommissarin Olsen (Katharina Heyer) zur Seite gestellt. Schon jagen die dänischen Ermittler einen sadistischen Serienmörder, der Menschen entführt und im Wald verhungern lässt. Im Fokus der Ermittlungen befindet sich bald der eigenwillige Naturschützer Avid Roer (Simon Licht). Schließlich lernt Ida Tjelle Fisker (Janek Rieke) kennen, den Bruder eines der Opfer. Kann er die einfache Polizistin, die ihren Fehler wiedergutmachen will, auf die richtige Spur bringen?

Drehbuchautor Timo Berndt ("Die Toten vom Bodensee", "Sarah Kohr") und Regisseur Christian Theede (er drehte die ersten beiden neuen Saarland-"Tatorte") haben den neuen ARD-Krimi klar als Hommage ans Nordic-Noir-Genre angelegt: weite, raue Landschaften - meist von nur wenigen Menschen bevölkert. Dazu trübe Himmel und Ermittler, die immer dick vermummt sind, um Wind und Wetter zu trotzen. Schließlich Serienmörder mit sadistischen Folterideen, die zum kommunitären, freundlich-zurückhaltenden Wesen sonstiger Skandinavier im krassen Gegensatz stehen.

Leider arbeiten die Krimi-Routiniers Berndt und Theede mit allzu vielen Versatzstücken aus dem Nordic Noir- und TV-Krimigeschäft. Ein wenig mehr Eigenheit, vielleicht auch der Wille, etwas Besonderes zu erschaffen, geht dem Projekt "Dänemark-Krimi" bislang ab. Wobei dies nicht wirklich verwunderlich ist, denn auf dem Sendeplatz der donnerstäglichen ARD-"Landeskrimis" setzt man generell auf viel Vertrautes und natürlich deutsche Schauspielerinnen und Schauspieler, die einheimisches Personal verkörpern. Ob dies in Zeiten internationaler Serienkunst, in der "Inländer" wohl authentischer die eigene Gesellschaft per Filmstoff in die Welt hinaustragen können, noch zeitgemäß ist, dürfte in den nächsten Jahren auch zu einer unter deutschen Produzentinnen und Produzenten verstärkt diskutierten Frage werden.

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