ARD-Polittalk "maischberger. die woche"

Niedrige Wahlbeteiligung in NRW: Günther Jauch kritisiert "satte Selbstgefälligkeit" der Deutschen

18.05.2022 von SWYRL/Julian Weinberger

Vom Ukraine-Krieg bis zur SPD-Enttäuschung bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen: Sandra Maischberger bediente am Dienstagabend ein breites Themenspektrum. Gast Günther Jauch positionierte sich klar gegen Alice Schwarzers offenen Brief an Olaf Scholz und kritisierte die Wahlmüdigkeit der Deutschen.

Ein klares Nein zu Waffenlieferungen: Mit dieser Botschaft machten die Unterzeichner eines offenen Briefes an Bundeskanzler Olaf Scholz Anfang Mai Schlagzeilen. Knapp 30 Prominente, unter anderem die Feministin Alice Schwarzer, Schriftsteller Martin Walser und Schauspieler Lars Eidinger ernteten teils harsche Kritik. Dem schloss sich nun auch Günther Jauch an, der am Dienstagabend zu Gast bei "maischberger. die woche" war: "Ich fand es tatsächlich daneben, was dieser Brief von Frau Schwarzer wollte." Deshalb habe er nicht unterzeichnet, obwohl man an ihn herangetreten sei, erklärte der Moderator.

"Er wollte im Grunde die Kapitulation der Ukraine", argumentierte Jauch und fuhr fort, das Schreiben sei von "historisch völlig falschen Voraussetzungen" ausgegangen. Es sei nicht korrekt, dass man gegen eine Atommacht nicht gewinnen könne. Die Niederlagen der USA im Vietnamkrieg und der von der Sowjetunion in Afghanistan würden dies belegen. Nun sei es wichtig, Putin seine Grenzen klarzumachen, denn: "Wenn sich alle flach legen, wird es nicht bei der Ukraine bleiben, ist meine Befürchtung. Wenn sich gegen Hitler niemand gewehrt hätte, wie hätte es in Europa kurze Zeit später ausgesehen?"

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"Ein Heulen und Zähneklappern": Günter Jauch befürchtet bitteres Erwachen bei Gaspreisen

Abgesehen von der weltpolitischen Dimension hatte die Entscheidung gegen die Unterschrift für Günther Jauch aber auch eine ganz persönliche Note, wie er verdeutlichte. "Zwei Onkel von mir liegen als Gefallene in russischer Erde", setzte der 65-Jährige an. "Ein weiterer Onkel ist in Stalingrad eingekesselt worden und erst Anfang der 50er-Jahre aus Sibirien nach Hause gekommen." Zudem habe er mit seiner Frau zwei sibirische Kinder adoptiert, weshalb er betonte: "Ich mache mir da wirklich Gedanken."

Gedanken machte sich Jauch ebenfalls über die Abhängigkeit des deutschen Energiesektors von russischem Gas. Schon jetzt merken viele Deutsche höhere Preise beim Heizen - laut Jauch sei das erst ein Vorbote der Nebenkostenabrechnung des kommenden Frühjahrs. "Ein Heulen und Zähneklappern" werde bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern die Folge sein, prognostizierte der RTL-Quizmaster: "Ich weiß nicht, ob alle verstanden haben, dass man schon jetzt zurücklegen muss."

Olaf Scholz hat laut Günther Jauch Teilschuld an SPD-Verlusten in NRW

Abgesehen vom Ukraine-Krieg gab Günther Jauch - einst selbst Gastgeber seines eigenen Polittalks im Ersten - seine Einschätzung zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ab. Er sei selbst ab 17.30 Uhr vorm Fernseher gesessen, um die Berichterstattung zu verfolgen, erläuterte Jauch.

Für das abermals enttäuschende Ergebnis der SPD in NRW nach der Schlappe in Schleswig-Holstein sah er eine Teilschuld bei Bundeskanzler Olaf Scholz: "Er hat sich weit aus dem Fenster gelehnt. Er war gefühlt auf jedem zweiten Wahlplakat, also er kann sich da jetzt keinen schlanken Fuß machen." Ähnlich sah es die ARD-Journalistin Tina Hassel, die argumentierte: "Nur ein Drittel der SPD-Anhänger hat gesagt, der Kanzler war wirklich ein Zugpferd. Das ist schon bitter."

Jauch: Lambrecht ist inzwischen "Selbstverteidigungsministerin"

Jauch machte indes die geringe Wahlbeteiligung in NRW Sorgen: "45 Prozent der Wahlberechtigten sind nicht zur Wahl gegangen. In der Ukraine lechzen die Leute nach Demokratie. Die setzen dafür ihr Leben ein! Und bei uns bleiben die Leute zu Hause und hauen dieses demokratische Grundrecht in die Tonne." Hierzulande werde Demokratie "in dieser satten Selbstgefälligkeit einfach als selbstverständlich genommen", erzürnte sich der Moderator. Es sei "sehr, sehr schade", dass sich "die Leute gar nicht mehr groß drum scheren".

Gegenwind bekam im ARD-Polittalk auch Verteidigungsministerin Christine Lambrecht zu spüren. Die SPD-Politikerin habe "keinerlei Gespür" für Auftritte, kanzelte sie Hassel ab: "Eine Frau, die sich nicht für die Truppe interessiert!" Jauch ergänzte augenzwinkernd: "Sie ist Verteidigungsministerin. Inzwischen ist sie zur Selbstverteidigungsministerin geworden." Ursächlich für die Ernennung Lambrechts sei "dieses schreckliche Proporzsystem". Laut Jauch seien Kandidaten wie FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, SPD-Chef Lars Klingbeil oder Grünen-Politiker Jürgen Trittin für das Amt geeignet gewesen.

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