"Markus Lanz"

"Kniefall vor Orban": Sportjournalist kritisiert UEFA-Verbot des Münchner Regenbogen-Stadions

23.06.2021 von SWYRL

Die UEFA sagt nein: Die Münchner Allianz Arena darf zum Spiel gegen Ungarn - das Land verabschiedete vor kurzem ein Gesetz, das die Rechte der LGBTQ-Community einschränkt - nicht in Regenbogenfarben leuchten. Sportjournalist Lucas Vogelsang vertrat bei "Markus Lanz" dazu eine klare Meinung.

Leuchtet sie oder leuchtet sie nicht? In den vergangenen Tagen wurde die Frage diskutiert, ob die Münchner Allianz Arena zum EM-Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Ungarn in den Regenbogenfarben erstrahlen darf. Die UEFA verbot schließlich das Zeichen der Solidarität mit der LGBTQ-Community, die in Ungarn mit einem neuen Gesetz gegängelt wird. Bei "Markus Lanz" wurde die Diskussion am Dienstag aufgegriffen, und alle Gäste bedauerten die Entscheidung des europäischen Fußballverbands. Sportjournalist und Podcaster Lucas Vogelsang bemerkte allerdings, es wäre sinnvoller gewesen, auch bei den vergangenen Partien gegen Frankreich und Portugal das Stadion in den Pride-Farben leuchten zu lassen. "Wieso nicht an allen drei Spieltagen die Regenbogenfahne?"

Stattdessen mache man es "ausgerechnet gegen Ungarn" und liefere der UEFA Argumente für das Verbot: "Damit ist es aber die Steilvorlage für die UEFA zu sagen: Damit ist es ein politisches Signal" - und könne auch so instrumentalisiert werden. Warum diese politische Dimension im Fußball immer offensichtlicher wird? "Es ist deshalb noch politischer geworden, weil die Politik Ideen in den Fußball gebracht hat - die gut sind", so Vogelsang. Im Gegensatz zur großen Geste Stadionbeleuchtung wird Manuel Neuers Regenbogen-Kapitänsbinde anlässlich des Pride-Month - die weiterhin erlaubt bleibt - als Einsatz aus der Mannschaft heraus bewertet.

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Schadet oder nutzt der Protest Viktor Orban?

Doch schadet der Protest wirklich Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban, der für seine restriktive Politik gegen Homosexuelle und Transgender kritisiert werden soll? Journalist Robin Alexander war da anderer Meinung, er sieht vielmehr die Gefahr einer Instrumentalisierung. "Es ist doch nicht so, dass das für Herrn Orban ein harter Schlag ins Kontor wäre. Im Gegenteil, es ist eine Steilvorlage." Angeblich befindet sich Orban am Mittwoch-Abend selbst beim Länderspiel auf den Rängen. "Wenn man ihm den Gefallen tut, dass man ihn dort ausbuht, dann wird das in Ungarn rauf und runter gespielt." Die Medien vor Ort würden das Narrativ weitertragen, dass Europa die ungarische Gesellschaft verändern wolle.

Für Tobias Hans, CDU-Politiker und Ministerpräsident des Saarlands, war es "total schade", dass auf die Regenbogen-Farben an der Allianz-Arena verzichtet wird. Robin Alexander merkte hingegen an, dass die "Ehe für alle" in Deutschland auch erst vor vier Jahren eingeführt wurde - und die CDU lange mehrheitlich dagegen gewesen sei.

Vermeintliche Bigotterie Deutschlands spielte in diesem Fall für Lucas Vogelsang eine untergeordnete Rolle. "Es geht bei dieser Europameisterschaft auch um europäische, um westliche und um demokratische Werte. Und dann sind die Regenbogenfarben nicht nur eine deutsche Idee, sondern eine gesamteuropäische Idee." Vogelsang zeigte sich erfreut, dass die Debatte nun überhaupt geführt werde. "Wann denn sonst, wenn nicht jetzt", habe man die Chance, über solche Werte zu diskutieren?

"Das ist ein klassisches Shit-Sandwich"

So sei es seiner Meinung nach auch kein Zufall gewesen, dass das Gesetz zur Einschränkung der Rechte Homosexueller in Ungarn während dem Turnier verabschiedet wurde. Die Entscheidung der UEFA sei ein "Kniefall vor Orban", so Vogelsang. Die UEFA würde den ungarischen Ministerpräsidenten immer als Verbündeten sehen. "So wie er damals Zäune gebaut hat, macht er jetzt die Grenzen für die UEFA auf, um die Stadien vollzumachen", spielte er auf Ungarns unnachgiebige Rolle in der Flüchtlingsthematik an.

Dabei hat Vogelsang nicht allein die Situation in Ungarn und die Position des europäischen Fußballverbands im Blick, sondern den Weltfußball an sich: 2018 fand die WM in Russland statt, 2022 steht die höchst umstrittene Weltmeisterschaft in Katar an. "Das ist ein klassisches Shit-Sandwich", kommentierte der Sportjournalist. Dies würde viel über den Zustand des Fußballs aussagen. Die Debatte kritisierte er als "bigott", da erst die Frage nach der Regenbogen-Beleuchtung eines Stadions nötig sei, um dies zum Thema zu machen. "Wir wissen seit Monaten, dass wir gegen Ungarn spielen." Mehr noch: "Seit zehn Jahren wissen wir, wir spielen in Katar, warum wachen wir erst auf, wenn wir mittendrin sind?"

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