Der Giftanschlag von Salisbury - Do. 10.06. - ARTE: 21.05 Uhr

Im Kampf gegen einen unsichtbaren Feind

06.06.2021 von SWYRL/Wilfried Geldner

Als am 04. März 2018 ein Mann und eine jüngere Frau auf einer Parkbank im englischen Salisbury kollabierten, wusste man noch nicht, dass es sich um einen Anschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal handelte. Die BBC-Miniserie "Der Giftanschlag von Salisbury" (2020) zeigt die entschlossenen Reaktionen der Einwohner im Kampf gegen einen unsichtbaren Feind.

Zwei Jahre vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie, im März 2018, gab es im englischen Salisbury bereits lokale Lockdowns, wurden Straßen und Plätze abgesperrt, Spuren verfolgt, Kontaminationen getestet und Quarantänen verhängt. Die Direktorin der örtlichen Gesundheitsbehörde, erkannte früh, dass es mit allen erdenklichen Mitteln galt, das Leben der Bevölkerung zu schützen. Noch bevor das tödliche Nervengift Nowitschok als Ursache des Zusammenbruchs des ehemaligen russisch-britischen Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter auf einer Parkbank erkannt war, setzte die Gesundheitsbeamtin alle erdenklichen Hebel in Bewegung, um die Einwohner von Salisbury vor weiteren Kontaminationen zu schützen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich Tracy Daszkiewicz - im Film von Anne-Marie Duff gespielt - um winterliche Infektionen und um die Hygiene in Restaurants und Kantinen gekümmert. Die vierteilige BBC-Miniserie "Der Giftanschlag von Salisbury" (2020) erzählt jetzt auf ARTE die ganze Geschichte.

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Der Serie gingen monatelange Gespräche mit den Betroffenen voraus

Nicht nur der nach einem Agentenaustausch 2010 freigekommene Skripal und dessen Tochter rangen nach dem Anschlag vom 04. März 2018 tage- und wochenlang mit dem Tod. Auch der Polizist Nick Bailey, der ihnen half, hatte sich infiziert und überlebte mit knapper Not. Die Journalisten und Filmemacher Declan Lawn und Adam Patterson machten sich im Herbst 2018 auf den Weg nach Salisbury, um dort ausführliche Gespräche mit allen Beteiligten zu führen. Zweck ihrer monatelangen Recherchen war es nicht, die Täter und Drahtzieher des Anschlags zu finden, sondern Polizisten, Ärzte und geduldige Bevölkerungsteile als "Helden des Alltags" zu würdigen.

"Der Giftanschlag von Salisbury" ist kein Spionagedrama. Ohne deswegen die Spannung aufzugeben, wird stattdessen die Handlungsbereitschaft der Verantwortlichen vor Ort dramatisiert. So lässt sich die Amtsdirektorin Tracy Daszkiewicz trotz aller Selbstzweifel nie von ihrem rigoros eingeschlagenen Weg der Katastrophenbekämpfung abbringen. Dieser Umstand erinnert stark an die Auseinandersetzungen, wie wir sie inzwischen von den Verteidigern und Gegnern einer rigorosen Pandemiebekämpfung kennen. Der Kriminalbeamte Nick Bailey (Rafe Spall), der Skripal zuerst kontaktierte, wiederum ist ein "Held", der die Suche nach dem Gift auch dann nicht aufgibt, als er bereits Krankheitssymptome zeigt.

Vier Monate, nachdem das unsichtbare Gift auch Dank des Einsatzes von Militär- und Polizeihundertschaften endgültig besiegt zu sein scheint, wird plötzlich ein neuer Fall vermeldet - ein Paar hat sich infiziert. Steht eine neue, noch gefährlichere Gefährdung bevor? Die Angst geht um, umso mehr als der neue Fall nicht dem Agentenmilieu zuzuordnen ist. Noch einmal zeigt sich an dieser Stelle die Stärke der packenden Serie, die der Regisseur Saul Dibb stets aus der Perspektive der Betroffenen und ihrer Familien erzählt. Das Geheimdienst-Abstraktum Nowitschok (zuletzt wurde der Oppositionelle Nawallny damit vergiftet) wird so als ein physisch-psychologisches Kampfmittel in all seiner teuflischen Wirkunsweise gezeigt.

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