"Das Ende der Sexarbeit? - Prostitution nach der Pandemie"

Käufliche Liebe in Zeiten vom Corona: ZDF-Doku blickt hinter die Kulissen

21.07.2021 von SWYRL/Christopher Schmitt

Käufliche Liebe war in Corona-Zeiten vielerorts nur illegal zu erwerben. Eine "ZDFzoom"-Doku zeichnet ein aktuelles wie vielschichtiges Bild der Prostitution in Deutschland nach dem Lockdown: Eine Branche zwischen Notsituation und rechtlichem Schutz, zwischen Menschenhandel und Emanzipation.

Fast ein Jahr lang standen Freier vielerorts vor verschlossenen Türen, Prostituierte konnten ihrer Arbeit während des Lockdowns nicht nachgehen. Es war Pandemie-bedingt genau die Situation eingetreten, die Befürworterinnen und Befürworter eines Sexkaufverbots unabhängig von der Corona-Krise fordern: Prostitution rechtlich zu verbieten. Die aufschlussreiche "ZDFzoom"-Dokumentation: "Das Ende der Sexarbeit? - Prostitution nach der Pandemie" (Mittwoch, 21. Juli, 22.45 Uhr, ZDF und ab 18 Uhr in der ZDFmediathek) geht der Frage nach, welche Folgen ein Sexkaufverbot hätte, und ob das Prostituiertenschutzgesetz von 2017 wirklich hält, was es verspricht: Sexarbeiterinnen vor Gewalt, Zuhälterei und Menschenhandel zu schützen.

Die Filmemacherin Rita Knobel-Ulrich liefert einen Status Quo des vermeintlich ältesten Gewerbes der Welt nach einer restriktiven Zeit. Hygienekonzepte gelten für Bordelle aktuell ebenso wie für die meisten Kulturveranstaltungen. "Die Kunden sowie die Mädels am Fenster müssen getestet, geimpft, oder genesen sein", erklärt etwa Laufhaus-Wirtschafterin Ulla Haus. Es herrscht Maskenpflicht. In Bordellen wurden die Sicherheitsmaßnahmen gemäß demProstituiertenschutzgesetz umgesetzt - nur es fehlen die Frauen auf den Zimmern. Einige sind aufgrund des Berufsverbots in ihre Heimatländer zurückgekehrt, andere gehen ihrer Arbeit auf andere Weise nach.

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Skrupellose Freier begannen zu handeln

Mit Leni Breymaier, die für die SPD im Bundestag sitzt, kommt eine entschiedene Befürworterin des Sexkaufverbots zu Wort. "Die jungen Männer, die in Deutschland in den letzten 20 Jahren aufgewachsen sind, die haben gelernt, es ist normal in ein Bordell zu gehen und sich eine Frau zu kaufen", kritisiert sie. Das komplette Verbot der Prostitution nennt man das "Nordische Modell", da es in Skandinavien bereits angewandt wird. In diesem Modell werden die Freier bestraft, Prostitution wird damit eigentlich unmöglich gemacht. Mit dem Lockdown kam diese Situation plötzlich hierzulande quasi zwangsläufig, die Folgen waren jedoch teils verheerend, wie in dem Beitrag erläutert wird. "Nur weil man etwas verbietet, erreicht man nicht, dass es nicht mehr da ist", meint auch Jan Heinisch, der Staatssekretär des Ministeriums für Gleichstellung in Nordrhein-Westfalen.

Die Reaktion vieler Sexarbeiterinnen auf das Prostitutionsverbot war demnach der Weg in die Illegalität. Sie schafften auf dem Strich oder in privaten Appartements an, immer mit der Angst, von Polizei oder Ordnungsamt erwischt zu werden. Dreiste Freier versuchten, mit dem Wissen um die finanzielle Notlage der Frauen Druck aufzubauen. Die Sexarbeiterin Antonia berichtet, dass das rücksichtslose Handeln der Männer sich nicht nur auf den Preis beschränkte: "Die wollen das halt immer weiter runterdrücken. Auch mit denen ohne Gummi zu schlafen - das wird einfach schamlos ausgenutzt."

Prostitution ist vieles: Zwang und emanzipatorischer Akt

Doch Salome Balthus wehrt sich gegen die Vorstellung, alle Prostituierten würden unter Zwang arbeiten. Auf die Frage, was ihr an ihrem Beruf gefällt, stellt die Betreiberin eines Escort-Portals Gegenfragen: "Was kann einem daran nicht gefallen? Mögen Sie Sex? Mögen Sie gute Bezahlung?" Ihr Escort-Job sei eine Möglichkeit, Menschen nahe zu sein. "Unter welchen Bedingungen kann denn Prostitution ein emanzipatorischer Akt sein?", fragt sie Bewerberinnen nach eigener Aussage für ihr Portal. Ganz häufig fällt die gleiche Antwort: Selbstbestimmung.

Genau wo diese ausbleibt, wird Prostitution zur menschenverachtenden Ausbeutung. Mit Sandra Nowak tritt eine Protagonistin vor die Kamera, die jahrelang für einen sogenannten "Lover Boy" anschaffen musste. "Viele Leute stellen sich Menschenhandel und Zwangsprostitution vor: Frauen in Ketten, die irgendwo im Keller sitzen", berichtet die Frau, die sich seit Jahren unermüdlich gegen die Folgen der Zwangsprostitution einsetzt. Frauen in Bordellen würden einen eher zufriedenen Eindruck erwecken, weil sie lächeln und Scherze machen. Doch vielen würde es in Wirklichkeit ganz anders gehen. Das Leid kann offenbar auch das Prostituiertenschutzgesetz nicht verhindern.

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