Johanna Klum im Interview

"Beim Fußball schreie ich laut meinen Fernseher an"

07.07.2021 von SWYRL/Franziska Wenzlick

In ihrer neuen Show "99 - Eine:r schlägt sie alle!" geht es vor allem darum, nicht zu verlieren - und das 98 Mal. Im Interview verrät Moderatorin Johanna Klum, was an diesem Konzept so besonders ist und weshalb sie selbst mittlerweile eine gute Verliererin ist.

In "99 - Eine:r schlägt sie alle!" sucht SAT.1 ab Freitag, 9. Juli, 20.15 Uhr, ein rundum überzeugendes Talent: In der neuen Gameshow-Idee mit 100 Teilnehmern - und am Schluss 99 Verlieren - sind Siegertypen gefordert. Sie müssen es schaffen, in 98 Spielrunden nicht ein einziges Mal zu scheitern. Dafür gibt es viel Geld - 99.000 Euro. Dazu laden die Moderatoren Johanna Klum und Florian Schmidt-Sommerfeld 100 Kandidaten ein, von denen der Großteil - 99 Teilnehmer, um exakt zu sein - am Schluss komplett leer ausgehen wird. Wer es schafft, alle 98 Spielrunden zu überstehen, steht am Ende siegreich da und darf 99.000 Euro mit nach Hause nehmen. Ob sie sich selbst auch als Allround-Talent sieht und wieso sie mittlerweile auch gut verlieren kann, verrät Moderatorin Johanna Klum im Interview.

teleschau: Ihre neue Show heißt "99 - Eine:r schlägt sie alle!" Das ist dann wohl das erste Format zur Primetime, bei dem sogar schon im Titel gegendert wird.

Johanna Klum: Sprache kann vieles bewirken, deshalb finde ich es gut und richtig, dass wir schon im Titel der Show auch sprachlich alle einschließen. Jeder soll sich in der Show willkommen fühlen, deshalb sprechen wir bewusst von "Kandidat:innen" - denn so wissen wir auch die LGBTQ-Gemeinschaft in die Sendung repräsentiert. Grundsätzlich finde ich: Solange man Berufe so einordnet, dass man "Arzt" und "Kindergärtnerin" sagt, haben wir Bedarf, zu gendern. Wir Frauen können alles werden, was wir wollen, und so möchte ich auch meine Tochter erziehen.

teleschau: Das Konzept ist denkbar simpel: Einfach nicht den letzten Platz belegen, zum Beispiel beim Abrollen von Klopapier - das klingt ja im ersten Augenblick nicht so schwer.

Klum: Mich hat fasziniert, dass es nicht darum geht, immer zu gewinnen. Das ist ja viel näher am echten Leben - wer gewinnt denn schon ständig? Sobald man aber sieht, wie sich die Reihen immer mehr lichten, fühlt es sich auf einmal sehr schwierig an, "nur" nicht zu verlieren. Der Druck ist unheimlich groß und wird natürlich immer größer, je mehr Leute die Aufgabe schon geschafft haben.

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"Ich schreie laut meinen Fernseher an"

teleschau: Was schmerzt mehr: Gleich zu Beginn gehen zu müssen oder in der letzten Runde zu verlieren?

Klum: Der oder die Erste hat es auch schwer, weil niemand vor allen anderen nach Hause gehen möchte. Je näher aber die 99.000 Euro rücken, umso schwieriger wird es, sich zu verabschieden. Auch, weil die Kandidat:innen viel Zeit miteinander verbringen. Ich war sehr überrascht, wie sehr sich die Teilnehmer:innen untereinander unterstützt, angefeuert und einander Tipps gegeben haben.

teleschau: Was muss man mitbringen, um eine Chance auf den Sieg zu haben?

Klum: Es geht weniger darum, ganz bestimmte, explizite Talente zu haben. Die Devise lautet, alles ein bisschen zu können. Die Spiele sind wirklich sehr breit gefächert. Bei vielen Spielen sitzt man auf jeden Fall zu Hause und denkt: Das muss man anders machen, das ist doch logisch! Ein bisschen so, wie wir alle auf dem Sofa extrem gute Bundestrainer:innen sind. Ich würde vor dem TV wohl ähnlich reagieren, wie wenn ich Fußball gucke. Nämlich: Ich schreie laut meinen Fernseher an. Bei einem Spiel ist es zum Beispiel Teil der Aufgabe, einen Faden durch ein Nadelöhr zu fädeln, was ja im ersten Moment sehr einfach klingt. Aber: Wieviel Wut man auf so ein kleines Nadelöhr entwickeln kann, wenn das nicht hinhaut, ist wirklich unglaublich.

teleschau: Wie gut würden Sie sich in der Sendung schlagen?

Klum: Ich wäre bei manchen Sachen richtig groß rausgekommen ... und ich wäre des Öfteren gnadenlos gescheitert. Ich selbst liebe es, zu spielen. Diese Leidenschaft und eine ordentliche Portion Halbwissen sind eigentlich eine gute Voraussetzung für die Sendung, aber man muss natürlich auch ein bisschen Glück haben.

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"Ja, ich bin ein Multitalent"

teleschau: Sind Sie denn eine schlechte Verliererin?

Klum: Ich möchte behaupten, der schlechteste Verlierer, den ich kenne, ist mein Co-Moderator Florian Schmidt-Sommerfeld! Ihm beim Verlieren zugucken ist so unterhaltsam wie ein guter Film. Ich gewinne zwar auch sehr gerne, kann aber auch verlieren. Das lernt man spätestens dann, wenn man Kinder hat, die können das oft überhaupt nicht. Da sieht man erst mal wie absurd das aussieht, wenn man sich übers Verlieren aufregt - und gewöhnt sich das ganz schnell ab.

teleschau: Sie suchen in der Show nach einem Allroundtalent. Sie selbst haben bereits moderiert, geschauspielert, gesungen und gemodelt. Sehen Sie sich als Multitalent?

Klum: Es gab mal eine Zeit in Deutschland, zu der man am besten eigentlich maximal ein Talent haben sollte. Ich erinnere mich noch daran, dass es für einige meiner Kolleginnen echt schwierig war, wenn sie sagten, sie seien Moderatorin und Schauspielerin. Sie wurden dann immer gefragt, was denn nun ihr richtiger Beruf ist. Ich finde aber: Gerade, dass wir viele Talente haben, zeichnet uns als Menschen aus. Wir sind ja nicht eindimensional. Deshalb würde ich schon sagen: Ja, ich bin ein Multitalent.

teleschau: Haben Sie auch versteckte Talente?

Klum: Gute Frage. Ich kann unglaublich gute Pasta kochen, aber ich weiß nicht, ob das als Geheimtalent zählt.

teleschau: 100 Menschen in einem Raum - das wäre vor einem Jahr ja kaum vorstellbar gewesen. Wie war es für Sie, wieder in einem vollen Studio stehen zu dürfen?

Klum: Ehrlich gesagt, war es zu Anfang ein echt komisches Gefühl. Alle Kandidat:innen waren während des gesamten Drehs in Quarantäne und nur unter sich. Es gab auch regelmäßige Tests, man fühlte sich also sicher - aber am Anfang war das trotzdem total seltsam, auf einmal mit über 100 Leuten in einer Location zu sein. Ich glaube auch, besonders die Kandidat:innen haben das sehr genossen, endlich wieder Leute umarmen zu können und sich miteinander freuen zu dürfen, ohne sich Sorgen machen zu müssen.

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"Ich hatte den Kater meines Lebens"

teleschau: Wie haben Sie das vergangene Jahr erlebt?

Klum: Das war sicherlich ein sehr herausforderndes Jahr für viele von uns, auch für mich. Am Anfang wusste man ja auch gar nicht, was das für Auswirkungen haben wird. Die ganze Fernseh- und Filmbranche war im März 2020 wie in einer Schockstarre. Da wir ja aber alle schnell und erfinderisch sind, findet man nun eben andere Wege, Fernsehen zu machen oder Events auf die Beine zu stellen.

teleschau: Wie erging es Ihnen als Mutter von zwei kleinen Kindern?

Klum: Meine Kinder waren zwei und fünf, als das Ganze losging. Wenn ich dann also eine Videokonferenz habe und mein Mann auch, ist das nicht immer ganz einfach. Einem Zweijährigen kann man nicht einfach sagen, dass er sich bitte kurz alleine beschäftigen soll. Der versteht das natürlich noch nicht. Ich hatte also fast keine Kinderpause im letzten Jahr, das war oft nicht einfach. Da kommt man auch mal an seine Grenzen. Zusätzlich haben wir uns dann auch noch eine Extra-Challenge gesucht und bauen jetzt gerade um. So viel kann ich sagen: Das war eine richtig bescheuerte Idee! (lacht) Parallel jetzt noch eine Baustelle zu haben, macht das Ganze wirklich nicht einfacher.

teleschau: Wie schaffen Sie sich einen Ausgleich von Beruf, Kindern, Baustelle und Pandemie?

Klum: Theoretisch natürlich ganz viel Yoga, in der Praxis: nicht so wirklich. Mir hilft der Gedanke, dass auch diese anstrengende Zeit irgendwann vorbei sein wird. Außerdem werden die Kinder ja auch größer und brauchen einen nicht mehr so dringend. Wobei ich das wahrscheinlich vermissen werden.

teleschau: Was werden Sie zuallererst tun, sobald wieder Normalität eingekehrt ist?

Klum: Ich freu mich so sehr aufs Feiern! Ich will einfach mal wieder mit Freunden zusammen sein, tanzen, feiern und sie in den Arm nehmen, ohne zu zögern. Ohne jegliche Sorgen zusammen Spaß zu haben, sich einfach bedenkenlos wohlfühlen. Zu wissen, man riskiert hier nichts für niemanden. Ich habe das Gefühl, erste kleine Schritte gehen wir ja schon. Ich hatte vor kurzem die erste "Date Night" seit gefühlt 28 Jahren, und das war so toll! Ich hatte den Kater meines Lebens. Es ist einfach schön, mal wieder in einem Restaurant zu sitzen.

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