Talk zum Ende der Ära Trump

Ingo Zamperoni bei "Hart aber fair": Kapitol-Stürmer "auch Teil dieses Amerikas"

19.01.2021 von SWYRL

Das Ende der Amtszeit Donald Trumps ist in Sicht - und dann? - Die Talkrunde um Ingo Zamperoni, dessen Schwiegervater Trump gewählt hatte, war sich bei "Hart aber fair" sicher, dass nach dem Sturm auf das Kapitol bei vielen Republikanern nun ein Umdenken stattfinden muss - und bereits stattfindet.

Während der ARD-Journalist Ingo Zamperoni über vier Jahre lang in den "Tagesthemen" über die Eskapaden Donald Trumps berichtete, zeigten sich Teile seiner Familie von Trumps Provokationen und Grenzübertritten weitgehend unbeeindruckt: Daraus, dass sein Schwiegervater Trump gewählt hat, machte Zamperoni keinen Hehl - auch nicht am Montagabend bei "Hart aber fair". Gastgeber Frank Plasberg leitete die Talkshow mit Blick auf die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden am Mittwoch, 20. Januar, verheißungsvoll ein: "Noch zwei Tage, dann ist Donald Trump Geschichte." Aber allen in der Runde war bewusst, dass es so einfach eben nicht ist.

Ingo Zamperoni, Betreiber des Podcasts "Amerika, wir müssen reden", sieht Joe Biden nun in der Verantwortung, die Stimmung nicht weiter anzuheizen. "Er hat zwar die Wahl gewonnen, aber darf danach nicht den Frieden verlieren", sagte der USA-Kenner, der mit der Amerikanerin Jiffer Bourguignon verheiratet ist. Der Frieden erscheint nach der Stürmung des Kapitols durch Trump-Anhänger am 6. Januar fragil wie nie: Nach Ansicht Zamperonis dürfe Biden die demokratische Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus nicht für einen zu progressiven Kurs ausnutzen, den in seiner Partei viele befürworten. "Das würde Wähler wie meinen Schwiegervater erst recht vergrätzen, weil sie gewissermaßen vor diesem Linksruck Angst haben."

Bereits in seiner Dokumentation "Trump, meine amerikanische Familie und ich" setzte sich Ingo Zamperoni mit den politischen Ansichten seines Schwiegervaters Paul auseinander. Dieser sagte damals, er halte sich "die Nase zu und wähle ihn". Doch es gäbe bei vielen Republikanern mittlerweile einen Paradigmenwechsel. "Dieser 6. Januar war in der Tat auch für ihn eine Zäsur", berichtete der "Tagesthemen"-Moderator. Einen Grund für die damalige Wahl seines Schwiegervaters sah er im Dualismus des Wahlsystems. "Das andere Problem ist, dass diese Leute, die das Kapitol gestürmt haben, auch tatsächlich Teil dieses Amerikas sind", so der 46-Jährige.

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Kapitol-Sturm: Keine "große Horde" aus den Hinterländern

Doch Journalist Matthew Karnitschnig wies darauf hin, dass es eben keine "große Horde" aus den Hinterländern gewesen sei, die das Kapitol stürmten. Für ihn hat Trump nach dieser Aktion "keinen Rückhalt in der Mitte der Gesellschaft". Seiner Ansicht nach wird dieser Angriff auf die Demokratie für das Lager das noch amtierenden US-Präsidenten spürbare Folgen haben - viele Republikaner würden sich abwenden, wenn die eigene Partei sich nicht endlich klar von Trumps Methoden distanzieren würde: "Man kann nicht so rütteln an den Grundfesten der Demokratie, ohne dafür abgestraft zu werden."

Grundsätzlich reagierten alle in der ARD-Talkrunde mit Erleichterung auf das Ende der Regierung Trump: Doch neben Zamperoni und Karnitschnig war auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Grünen-Chefin Annalena Baerbock und Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook klar, dass nicht von jetzt auf gleich zum gewohnten transatlantischen Bündnis samt westlichem Wertekanon zurückgekehrt werden kann.

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