"heute-show"

Oliver Welke stichelt im Interview: "Herr Röttgen, Sie stehen für das gewisse Nichts"

17.10.2020 von SWYRL

Eine Show ohne Donald Trump, das gab es bei der "heute-show" (ZDF) zuletzt selten. Aber man hat ja auch genug vor der nationalen Haustür zu kehren: Corona-Stress, Berherbergungsverbots-Irrsinn und mit Studiogast Norbert Röttgen einen Anwärter auf den CDU-Vorsitz, der am Ende "Deutschland an einen Bayern ausliefern" will.

Norbert Röttgen stellte sich. Als Einziger der drei Kandidaten auf den CDU-Vorsitz folgte der "George Clooney der Union" der Einladung in die Show, während seine Kontrahenten Friedrich Merz und Armin Laschet knifffen. Aus Termingründen, wie Moderator Oliver Welke mitteilte. "Laschet musste wohl noch mal zum Papst und Merz hat einen Ölwechsel an der Cessna."

Aber mit Samthandschuhen fasste Welke seinen Studiogast in dem zehnminütigen Interview deshalb nicht an. Ob es tatsächlich wahr sei, dass sich Röttgen auch für den Fall seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden einen anderen Kanzler als sich selbst und am Ende sogar Markus Söder vorstellen könne, fragte er. "Wären Sie bereit, Deutschland an einen Bayern auszuliefern?"

Welke zu Röttgen: "Sie stehen für das gewisse Nichts."

Die Antwort Röttgens war zwar ausführlich, für einen Politiker aber ungewöhnlich konkret: Er sehe das Amt des CDU-Vorsitzenden nicht als "Mittel zum Zweck für ein anderes Amt", sondern als Amt mit großem Anspruch, denn die CDU sei "erneuerungsbedürftig", weil "auf die Aufgaben, die auf uns im nächsten Jahrzehnt zukommen, noch nicht vorbereitet".

Davon abgesehen habe er die Einstellung, dass sich der CDU-Vorsitzende "das Amt des Bundeskanzlers zutrauen und es auch wollen muss" und dieses Selbstverständnis habe auch er, dem Einwurf von Welke - "Das kann ich mir bei Markus Söder schon vorstellen" - zum Trotz.

Ist die "Auslieferung an Bayern" also doch noch nicht in trockenen Tüchern? Eingangs wurden Röttgen, Laschet und Merz jedenfalls als "drei gut abgehangene Jungs aus Nordrhein-Westfalen" vorgestellt, von denen einer "für ein paar Monat fast Kanzlerkandidat werden" werden könne, "bevor im März Markus Söder übernimmt".

"Habemus Corona-Konzept"? Von wegen!

Welke war spitz: "Merz steht für den Bruch mit der Ära Merkel, Laschet für Kontinuität und Sie stehen für das gewisse Nichts." Aber giftig war der "heute-show"-Moderator nicht. Nur als Röttgen allzu mantrahaft seine Wahlplakatparolen ausbreitete ("Wir müssen uns auf die Zukunft vorbereiten!"), wurde Welke latent pampig: "Aber die anderen bereiten sich auch nicht auf die Vergangenheit vor!"

Politiker. Viel reden, wenig sagen. Erinnerte Welke irgendwie an den Corona-Gipfel des vergangenen Mittwochs. Nachdem nach acht Stunden Sitzung "weißer Rauch über Berlin" wehte und "Habemus Corona-Konzept" verkündet worde war, war die Stimmung trotzdem dunkel. Vor allem bei Angela Merkel, die mit dem Erreichten nicht zufrieden war. "Es droht Unheil, verkündete sie", meinte Welke und fragte: "Warum habt ihr nicht einfach weiterverhandelt, bis ihr Maßnahmen beschlossen habt, die ausreichen?" Die als "historischer Gipfel" angekündigte Tagung habe nicht wirklich gerockt.

Welkes Zungenbrecher zum Beherbergungsverbot

Welke haderte mit der Sperrstunde. "In England hat sie die Sauferei einfach auf die Straße getrieben." Außerdem hätten "Bierologen" herausgefunden, dass man auch "einfach früher trinken" könne. Welke steht zu "notwendigen Maßnahmen", kritisierte aber die "Farce" um das Beherbergungsverbot.

Erstens meinten Virologen, dass "innerdeutsche Mobilität so gut wie keine Rolle bei der Verbreitung des Virus" spiele. Zweitens sei es schwer vermittelbar, dass man den Bürgern einen Sommer lang predigte: "Macht bitte Urlaub in Deutschland", um jetzt, "wenige Stunden vor den Herbstferien", panisch zurückzurudern: "Urlaub in Deutschland? Seid ihr bescheuert?"

Drittens seien die regionalen unterschiedlichen Reisebeschränkungen (Welke: "Mecklenburg-Vorpommern ist nur noch von 8 bis 22 Uhr geöffnet!") so schwer verständlich wie das Wort "Beherbergungsverbot" für Politiker schwer aussprechbar sei. Welke ging mit gutem Beispiel voran und präsentierte als "schöne Übung für en Logopäden" einen neuen Zungenbrecher: "Herbergsvater Sepp Herberger berherbergt beharrlich Beherbergungsverbotsverweigerer."

Der hat vielleicht länger Bestand als das Beherbergungsverbot. "Das wird, darauf deutet alles hin, sowieso bald von den Gerichten kassiert."

Welke über Wendler: "Wenn der Verstand Insolvent beantragt."

Welke warnte davor, einen Generationenkonflikt zu schüren. "Das hat nichts mit alt gegen jung zu tun, sondern mit vernünftig und doof." Und Doofe gäbe es unter den alten Säcken genauso wie unter den "kleinen Egobratzen". Obwohl: Letztere säßen täglich acht Stunden mit Jacken, Mänteln und Mundschutz im dauerstoßgelüfteten Klassenzimmer, damit sie sich keine Lungenentzündung holen. Welke: "Da hätten die Erwachsenen in der Firma schon längst den Betriebsrat eingeschaltet."

Trotzdem gäbe es immer noch Leute, die "nicht bis drei zählen" und erkennen könnten, worum es gehe. "Der Wendler" zum Beispiel, laut Welke das Synonym für "wenn der Verstand Insolvenz beantragt". Das Phänomen der Corona-Leugnung und Verschwörungstheorien untersuchte Reporter Fabian Köster, der sich nach Konstanz zum Demo-Event begab, mit Corona-leugnenden Teilnehmern sprach ("Warum halten Sie so viel Abstand zum gesunden Menschenverstand?") und einen Experten für Verschwörungstheorien konsultierte.

Schalke 04 Meister? Geniale Verschwörungstheorie!

Wie bastle ich mir eine richtig gute Verschwörungstheorie? Aufgrund der Einlassungen des Experten Prof. Dr. Michael Butter erarbeitete Köster einen Vorschlag: "Das ZDF will mithilfe der Illuminaten Schalke 04 zum Meister machen!" Butter nickte die Beteiligung von ZDF und Illuminaten ab, die Idee mit "Schalke 04" sei aber schon sehr abstrus. Obwohl: "Je abstruser, desto mehr wird's geglaubt."

Abstrus findet Gernot Hassknecht (Hans-Joachim Heist), wie die "Reformmissgeburt" um das Wahlrecht von der angestrebten Verkleinerung des deutschen Parlaments (mit 709 Sitzen das nach China zweitgrößte Parlament der Welt) zu dessen Vergrößerung bis auf 750 Sitze führen könnte. Das sagen jedenfalls Experten. Und das schrie Hassknecht dann in üblicher Selbstbeherrschung hinaus: "Dann werden sie feststellen: 750 ist gar nicht weniger als 709!"

Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Instagram: Bilder, so geschönt wie das Wahlergebnis in Belarus

Schließlich wurde noch ein Geburtstag gefeiert. Instagram, das "mächtigste Medium der Welt", wurde 10. Gejubelt wurde nicht, eher gelitten. "Instagram macht süchtig, soll es ja auch. Inklusive Entzugserscheinungen: Wer drei Sekunden kein Netz hat, leidet sofort an post-traumatischen Störungen." Der Zusammenhang zwischen Instagram und Depressionen bei Jugendlichen sei bewiesen. "Das kommt davon, wenn man sich ständig mit geschönten Bildern vergleicht, die genau so echt sind wie das Wahlergebnis in Belarus."

Zumal Instagram tödliche Konsequenzen haben könne. "250 Menschen sind in den letzten Jahren gestorben, als sie ein Selfie machen wollten!" Weil dagegen bislang überlebende Influencer auf der Suche nach dem perfekten Selfie oder der coolsten Location rücksichtslos durch die Natur trampelten und sich als "biblische Plage" erwiesen, rief Welke auf: "Liebe Influencer, lasst den Scheiß. Werdet DRINfluencer! Drin bleiben rettet Leben."


Das könnte dir auch gefallen

Trending auf SWYRL