Wirtschaft in Corona-Zeiten

Harmonie statt Wahlkampf: Scholz und Söder bei "Maybrit Illner" in trauter Einigkeit

18.09.2020 von SWYRL

Markus Söder und Olaf Scholz gelten beide als mögliche Nachfolger von Angela Merkel - Wahlkampf ist offenbar noch nicht angesagt. Bei "Maybrit Illner" ging es um Status Quo und Zukunft der deutschen Wirtschaft im Zuge der Corona-Pandemie - und alle waren sich einig.

Talkshows leben in erster Linie von der Kontroverse, von lebhafter Debatte, von Streit. Dementsprechend frustrierend muss es für eine Gastgeberin sein, wenn die beiden prominentesten Gäste - nicht weniger als potenzielle Kanzlerkandidaten - völlig einer Meinung sind. So ging es "Maybrit Illner" am Donnerstag-Abend, als sie fast schon verzweifelt versuchte, Finanzminister Olaf Scholz von der SPD und dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder von der CSU zum Thema "Risikopatient Wirtschaft - mit der Pandemie in die Pleite?" eine provokante Aussage zu entlocken. Die beiden politischen Schwergewichte waren sich jedoch überraschend einig darin, dass Deutschland trotz drohender Pleite diverser Unternehmen auch wirtschaftlich gut durch die Corona-Pandemie manövriert wurde.

Scholz gab sich betont selbstbewusst: Man könne "im Großen und Ganzen davon ausgehen, dass wir unsere Volkswirtschaft stabilisiert und durch die Krise geführt haben. Und dass wir das auch weiter schaffen." Söder sieht das ganz ähnlich, keine Spur von Zoff zwischen den Kanzlerkandidaten. Es herrscht so viel Harmonie, dass der CSU-Mann dem SPD-Politiker nicht einmal vorwerfen kann, verschwenderisch mit Geld umzugehen. Dafür, dass Deutschland offenbar mit einem blauen Auge durch die Rezession kommt, ist laut Olaf Scholz das Kurzarbeitergeld verantwortlich. "Deutschland ist deshalb besser durch die Krise gekommen, weil die Beschäftigten noch in den Unternehmen waren und es wieder losgehen konnte."

Selbst von der Frage der Gastgeberin, ob die Corona-Maßnahmen im Frühjahr nicht übertrieben gewesen wären, ließen sich die beiden Politiker nicht aus der Ruhe bringen. Das große Schulterklopfen ob des eigenen Umgangs mit der Corona-Pandemie ging weiter. "Wir befinden uns im klaren Einklang mit dem Mehrheitswillen der Bevölkerung", war sich Markus Söder sicher. Es wird tatsächlich schwierig, dagegen zu argumentieren, da das ZDF-Politbarometer kurz zuvor diese Zahl ausgespuckt hatte: 87 Prozent unterstützen die aktuelle Linie der Regierung oder wünschen sich gar strengere Maßnahmen.

Politischer Gegner fehlte

Olaf Scholz, selbst in Regierungsverantwortung, sah das ebenfalls gerne. Also alles eitel Sonnenschein? Tatsächlich fehlte ein politischer Gegner in der Runde, der die beiden Politiker herausfordert. Markus Söder fand dann doch noch einen Gegenspieler zum Abarbeiten - wenn auch nicht im Studio: das Partyvolk, das sich vermeintlich nicht zurücknehmen kann. "Ich bin nicht bereit zu sagen, weil einige Spaß haben wollen, riskieren wir jetzt Menschenleben!", stellte der bayerische Ministerpräsident unmissverständlich klar.

Maybrit Illner gab sich alle Mühe, ihre Fragen so zuzuspitzen, dass es doch noch zu einer Diskussion kommt. Allerdings stimmte dann auch noch Prof. Monika Schitzer, Wirtschaftsweise aus dem Sachverständigenrat, in den allgemeinen Tenor ein. Auf Illners Frage, "hat der nächste Bundeskanzler, egal, ob er Scholz oder Söder hieße, Pleiten, Arbeitslosenzahlen und Haushaltslöcher im Gepäck?", antwortete sie nur, dass man mit Arbeitslosenzahlen rechne, die nicht weit über der Drei-Millionen-Marke lägen. Söder und Scholz wird es gefreut haben - der Wahlkampf hat wohl noch nicht begonnen.


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