ZDF-Talkshow

"Guter Zeitpunkt zu handeln": Virologin warnt bei "Markus Lanz" vor mehr Corona-Infizierten

14.10.2020 von SWYRL

Immer mehr Menschen infizieren sich mit dem Coronavirus. Markus Lanz befragte in seiner ZDF-Talkshow die Virologin Melanie Brinkmann, wie die Zahlen einzuordnen seien. Brinkmann forderte sofortiges Handeln.

Wie ist der aktuelle Trend zu beurteilen, dass die Zahlen der Corona-Infizierten steigen und sich immer mehr Hotspots in Deutschland herauskristallisieren? Mit dieser Frage beschäftigte sich Moderator Markus Lanz in der jüngsten Ausgabe seiner ZDF-Talkshow. Er präsentierte eine Deutschlandkarte, auf der die aktuellen Hotspots eingezeichnet waren. "Ich gucke jeden Tag tatsächlich auf diese Karte", erklärte Virologin Melanie Brinkmann, die bei "Markus Lanz" zu Gast war. "Und wenn man das jeden Tag macht, und auch vielleicht rückblickend noch mal schaut, wie sah es vor einer Woche aus, wie sieht es jetzt aus, dann ist das beunruhigend."

Überraschend sei diese Entwicklung für sie allerdings nicht. "Der Sommer hat uns ganz gut in die Karten gespielt. Er hat uns geholfen; das Virus hatte es schwerer, sich zu verbreiten, weil die Menschen sich draußen aufhielten und weniger in Innenräumen zusammenkamen." Dieser Bonus falle nun aber weg. Es sei nicht verwunderlich, dass die Zahlen steigen. "Diese Zahlen muss man jetzt sehr genau beobachten", so Brinkmann.

Lanz zeigte eine weitere Grafik mit den Neuinfektionen in Deutschland seit März - und stellte fest, dass nach einem Höhepunkt im Frühjahr nun ein zweiter Höhepunkt erreicht sei. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder habe bereits geäußert, es sei fünf vor zwölf. "Ich würde sagen, es ist zwölf", sagte hingegen Brinkmann. "Es ist jetzt ein guter Zeitpunkt zu handeln. Weil diese Kurve wird sich weiter nach oben entwickeln, wenn wir jetzt nicht ganz gezielte Maßnahmen treffen."

Je höher die Kurve, desto schmerzhafter für die Gesellschaft

Je höher die Kurve steige, desto schmerzhafter werde es für die Gesellschaft, so die Virologin. "Sozial, medizinisch, wirtschaftlich, alles", so ihre düstere Prognose. "Je früher wir jetzt überlegen, wie können wir dagegensteuern, wie können wir diese Zahlen wieder runterdrücken, desto besser." Es gebe einen "Tipping-Point", einen Kipppunkt, so Brinkmann. "Den wollen wir eigentlich nicht erreichen. Wir wollen vorher handeln." Dieser Punkt sei beispielsweise erreicht, wenn die Gesundheitsämter die Kontaktverfolgung nicht mehr durchführen können, was bereits bei einigen Ämtern der Fall sei. "Wenn das nicht mehr erfolgt, läuft das Ganze aus dem Ruder."

Angesprochen auf die Todesfall-Zahlen, die aktuell geringer sind als im Frühjahr, warnte Brinkmann ebenfalls: Auch diese Zahlen würden ansteigen. "Das wird aber noch ein bisschen dauern." Ein Problem sei aber die Zeit. "Wir sind dem ganzen Geschehen immer hinterher." Man müsse sich jetzt fragen, wie man die Zahlen senken könne. "Denn dann ist der Schaden nicht so groß." Aktuell seien hauptsächlich jüngere Menschen infiziert, daher sei die Todeszahl nicht so hoch. Allerdings könne man es ab einer gewissen Zahl der Neuinfizierten nicht mehr verhindern, dass auch die Älteren sich infizieren - woraufhin auch mehr Menschen wieder sterben würden.


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