Neue Netflix-Miniserie "Das Hausboot"

Gunter Gabriels Erbe: Netflix-Doku "Das Hausboot" mit Olli Schulz und Fynn Kliemann

04.03.2021 von SWYRL/Julian Weinberger

Vom Schrotthaufen zur Künstleroase: Zwei Jahre Arbeit steckten die Musiker Olli Schulz und Fynn Kliemann in die Restauration von Gunter Gabriels Hausboot. Welche Tücken auf die beiden währenddessen warteten, rekapituliert die Netflix-Dokumentation "Das Hausboot".

Ein schwimmender Kunstraum, der als Begegnungsort für Kreative aller Genres dienen kann: Mit dieser romantischen Vorstellung kauften Olli Schulz und Fynn Kliemann Ende 2018 das ehemalige Hausboot von Gunter Gabriel. Der Schlagersänger ("Hey Boss, ich brauch mehr Geld") hatte bis zu seinem Tod im Juni 2017 auf der "Magdeburg" gelebt, über 20 Jahre lang - ein Ort mit Geschichte. Doch der 400 Quadratmeter große Kahn barg nicht nur eine unangenehme Überraschung für das Heimwerker-Duo Schulz und Kliemann, wie die vierteilige Netflix-Miniserie "Das Hausboot" ab 9. März zeigt.

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"Das Boot war ein Haufen Schrott"

Denn von der Anfangseuphorie, die die Musiker zu Beginn des Projektes im November 2018 getragen hatte, war bald nicht mehr viel übrig. "Wir haben ein Überraschungsei gekauft, das gefüllt war mit Scheiße", so das knallharte Fazit des Hamburger Musikers Olli Schulz. Je mehr er sich gemeinsam mit Fynn Kliemann, seines Zeichens Musiker, Inhaber einer Werbeagentur und YouTube-Star, durch die Hinterlassenschaften von Gabriel wühlte, desto tiefer wurden die Sorgenfalten. Schauspieler Bjarne Mädel, der das Wasserfahrzeug gemeinsam mit Schulz besichtigt und sich umgehend aus dem Projekt zurückgezogen hatte, urteilt an einer Stelle: "Das Boot war ein Haufen Schrott."

In der Folge sieht man Kliemann und Schulz schweißen, tackern, schleifen, streichen und demolieren - wobei, eigentlich ist es zumeist der handwerklich deutlich begabtere Kliemann, der an der Seite von Bauleiter Max und dessen Truppe Hand anlegt. "Ich lerne etwas von der großen Medienwelt, und du lernst, wie man deine Arme richtig benutzt", neckt Kliemann in der Doku seinen Mitstreiter, der mit Hut und Mantel bekleidet zuweilen eher wie ein eloquenter Professor, denn ein fleißig anpackender Arbeiter wirkt.

Handwerker-Doku und die Entstehung einer Freundschaft

Doch "Das Hausboot" ist mehr als eine bloße Handwerker-Doku, die die Verwandlung des Bootes begleitet. Die vier Episoden erzählen auch die Entstehung einer Freundschaft mit sämtlichen kleinen und großen Katastrophen, die die Musiker in zwei anstrengenden Jahren ereilten. Vor dem Bootskauf kannten sich Schulz und Kliemann nur flüchtig, wussten kaum von den Marotten des anderen. "Olli ist der Meister in sich aus jeder Situation mit irgendeinem Spruch retten", resümiert Kliemann.

Ein halbes Jahr nach Kauf lagen die Nerven jedoch blank - auch beim vermeintlich lockeren Schulz: "Das Boot wird immer hässlicher, wir nehmen immer mehr Sachen raus, aber es ist immer noch scheiße." Die Konflikte wurden hitziger, auch wenn die Kamera meist nicht live dabei war, sondern die Dispute nur nacherzählt wurden. Wie unflätig es teilweise zugegangen sein muss, machen Chatverläufe deutlich, in denen Schulz seiner nordischen Schnodderschnauze freien Lauf lässt.

Allen Widrigkeiten und Zankereien zum Trotz zeigt "Das Hausboot" auch das Ergebnis der Plackerei: Als das Boot im August 2020 nach 21 Monaten Bauzeit fertig ist, ist es kaum mehr wiederzuerkennen. "Ganz lange war das dumm, und jetzt ist es richtig klug, dass wir das gemacht haben", philosophiert Kliemann am Ende von "Das Hausboot". Abgeholt werden von der vierteiligen Doku vor allem Zuschauer mit Heimwerkerseele. Streamingfans mit zwei linken Händen hätte hingegen auch ein 45-minütiger Einblick gereicht.

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