"Ich bin ein Star - Die große Dschungelshow"

"Frauenbild ins 20. Jahrhundert geholt": Ex-"Bachelor" Oliver Sanne wird in der "Dschungelshow" abgestraft

24.01.2021 von SWYRL/Rupert Sommer

"Der Kotzreiz war extrem": Im Mini-Finale der dritten Tiny-House-Truppe in der RTL-"Dschungelshow" wurde es am Samstag noch mal extra eklig. Gut, dass Geruchs-TV nie den Massenmarkt erreichte. Denn nicht nur die Fleischabfälle der Prüfung stanken, sondern auch Selbstbeweihräucherung und Verrat.

Wenn in einer Sendereihe, die kein Hehl daraus macht, genüsslich im Trüben zu fischen, am Schluss plötzlich gesamtgesellschaftlich Ernstes geklärt werden muss, dann war ordentlich der Wurm drin. So richtig weiß man auch nach der mittlerweile neunten Folge der diesjährigen Corona-Verlegenheitslösung "Ich bin ein Star - Die große Dschungelshow" nichts mit der im Gewerbegebiet von Hürth-Efferen aufgezeichneten Sparausgabe des sonst üblichen Madenspektakels anzufangen.

Ist das nun die Parodie einer Resteverwertung? Oder einfach ein auch im laufenden Sendebetrieb immer noch nicht zu Ende gedachtes Live-Experiment? Oder vielleicht doch der Anlass, in harten Zeiten einen Schlussstrich unter die grundironische Haltung zu ziehen, nichts und niemanden wirklich ernst zu nehmen?

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Macho-Allüren? Nicht mit Sonja!

Moderatorin Sonja Zietlow jedenfalls zog eine bittere Bilanz, als es darum ging, über die die Drei-Tage-Camper Christina Dimitriou, Oliver Sanne und Sam Dylan zu urteilen. Was bei ihr aus der Versuchsanordnung mit den für 72 Stunden im Tiny House kasernierten Probanden hängen blieb, war zum einen ein unverzeihlicher Bruch mit fast schon alttestamentarischen Reality-TV-Geboten. Das Wichtigste davon lautet - wie in der Show fast anklagend noch einmal wiederholt wurde: "Du sollst nicht langweilen!".

Zum anderen schloss sie mit einem in einen vermeintlichen Dank gekleidete Beschwerde über die nur schwer zu ertragenden Macho-Allüren des einstigen RTL-"Bachelors" Oliver Sanne. "Danke", ätzte Sonja Zietlow, "dass du unser Frauenbild ins 20. Jahrhundert geholt hast, obwohl wir schon im 21. Jahrhundert sind." Mit anderen Worten: Wurde in den vergangenen drei Tagen einfach nur grandios viel Zeit verplempert? Man konnte das so sehen!

Man konnte aber auch noch ein letztes Mal sündiges Fremdscham-Vergnügen daran haben, wie sich drei Mitmenschen ohne Grund selbst komplett um Kopf und Kragen quasselten. Und was gab's zur Belohnung: ein Bad kopfüber in Ekel-Pampe! Na bitte.

Erdrückende Wahrheiten aus dem Videobeweis

Es ist eben das perfide Spielprinzip der Notausgabe der Dschungelshow, den Wahnsinn im Schleudergang aus den Kandidaten herauszuschütteln und ihnen binnen kürzester Zeit alle Masken vom Gesicht zu reißen. In der dritten und letzten Ausgabe des Trash-Kammerspiels mit Großmaul Oliver, Giftschlange Christina und dem sanften Naivling Sam waren die Rollen längst verteilt. Nun galt es, im Schnelldurchlauf allen den Boden unter den Füßen zu erschüttern und ordentlich Zwietracht zu säen. RTL musste dafür tief in die Trickkiste greifen. Es reichte, dem Trio am dritten Tag ausgewählte eigenverursachte Gemeinheiten der beiden Vortage in einem Kurz-Zusammenschnitt vorzuspielen.

So musste sich Prosecco-Fan Sam, der sich die Tristesse im Container gerne mal schön zu süffeln versuchte, die bissigen Kommentare seiner Mitbewohner anhören, die er nur deswegen nicht direkt mitbekommen hatte, weil er eben mal vor die Tür gegangen war. Dann nämlich, als Sprücheklopfer Oliver darüber spekulierte, wie sehr Sams Leber und weitere nicht näher spezifizierte Organe es angeblich gewohnt sind, "so viel zu saufen".

Als ihm das auf dem Video-Bildschirm vorgespielt wurde, stand plötzlich die Gretchenfrage im Raum: "Denkst du, ich bin ein Alkoholiker?", fragte Sam. Er kämpfte mit den Tränen, rang sich dann aber als Reaktion lediglich Windelweiches ab: "Die Sache muss ich erst mal sacken lassen", sagte er. "Ich weiß nicht, wie ich das deuten soll." Nun ja!

Lästern? Ich doch nicht!

Auch Grobheiten von Christina gab es zu hören. Und noch viel gröbere Versuche, die Wahrheit dreist gleich wieder zurechtzubiegen. "Ich kann den nicht ernst nehmen", hörte man sie da Gift über den einstigen "Prince Charming"-Teilnehmer verspritzen, als Sam gerade nicht in der Nähe war. Doch den Eiskalt-erwischt-Videobeweis wollte natürlich auch sie nicht gelten lassen. "Gelästert? Nö! Nicht, dass ich wüsste", stritt sie böse Nachrede kategorisch ab.

Genauso "unschuldig" gab sich ihr Kollege Oliver. "Ich habe immer so positiv über euch geredet", heuchelte der Bachelor. Alles angeblich nur Manipulation durch den Sender: "Es ist krass, wie das geschnitten wird." Ehrlich wahr?

Tatsächlich war da der Punkt erreicht, an dem die verlogene Selbstgerechtigkeit nicht mehr zu ertragen war. "Ein Reality-Star muss grundsätzlich authentisch, hilfsbereit und einfach echt sein", dozierte Oliver Sanne - und meinte damit dreisterweise unverkennbar sich selbst. Als Botschaft an die Zuschauer gab er doch tatsächlich die Parole aus: "Ich hoffe, dass der rote Faden meiner Natürlichkeit zu erkennen war." Natürlichkeit? Ehrlichkeit? Hilfsbereitschaft? Es bogen sich die dünnen Balken im Tiny House!

Gerechte Strafe in der Ekelprüfung

Letztlich war dann die finale "Dschungelprüfungstauglichkeitsprüfung" - üblicherweise eine der überinszeniertesten Passagen so jeder "IBES"-Folge - perfiderweise das "Ehrlichste", was das Trauerspiel mit dem verlogenen Duo und dem ahnungslosen Dritten zu bieten hatte. Aus drei Becken mit lebenden Würmern, Schmodder und Schlachtabfällen mussten die Kandidaten zwölf Stern-Puzzleteile heraussuchen. Mit dem Mund! Und sogar Dr. Bob, der extra aus Australien eingeflogene Ekel-Experte, schüttelte sich: "Es stinkt wirklich!"

Das Blubbern im Becken, das Getöse im Gekröse, das obligatorische Gekreische: Es war eine verdiente Strafe! Und es passte nur gut, dass der Gewinnversuch fehlschlug. Vor allem Selbstbeweihräucherer Sanne bekam eine besonders unappetitliche Packung ab. "Oh Leute, das ist echt widerlich", stöhnte Christina. "Ich glaube, der Oliver wird nach der Show Vegetarier", freute sich Sonja Zietlow über seinen vollmundigen Ekel-Einsatz. Und Kollege Daniel Hartwich spottete nach der verpatzten Prüfung. "Ihr braucht ja keine Goodies - Ihr habt ja so schon genug Geschmack im Mund." Lecker!

Deutschlands erstes öffentliches Mobbingopfer

Blieb als Gegenmodell diesmal der Besuch der Altstars: Sarah Knappik schleppte sich im achten Monat hochschwanger als Gast in die Sendung. Und natürlich rührten sie noch einmal die beklemmenden Momente der legendären fünften Staffel, in der sie hart angefeindet und letztlich auf geballten Gruppendruck hin brutal aus dem Camp gedrängt wurde. Peer Kusmagk, der spätere Dschungelkönig, war der einzige, der zuletzt zu Sarah hielt. Und rückblickend kamen auch ihm fast die Tränen. "Ich hatte auf mein Bauchgefühl gehört", sagte Peer. Und Sarah bezeichnete er als "Deutschlands erstes öffentliches Mobbing-Opfer."

Beinahe wäre Sam "Simplicissimus" Dylan diesmal so ein Mobbing-Fall geworden. Und seine Kollegen hatten sogar die Dreistigkeit, ihre Vernichtungsstrategie offenzulegen (wenn er nicht gerade zuhörte). "Blöd, weil er jetzt als Opfer dasteht", sagte Christina zu ihrem Mitverschwörer Oliver. Beide fürchteten, dass die Zuschauer dem jungen Mann, der sich selbst als drittes Rad am Wagen fühlte, einen Mitleidsbonus zugestehen könnten.

Doch genau so kam es am Schluss dann auch: Die meisten Zuschauer riefen für Sam Dylan an. Und bei der Pest- und Cholera-Wahl zwischen Christina und Oliver waltete dann offenkundig das Prinzip der ausgleichenden Gerechtigkeit: Der Ex-"Bachelor" hatte in der dritten und letzten Folge noch einmal noch dreister geschwindelt, intrigiert und geprahlt als seine Verbündete. Also flog Oliver Sanne aus dem Spiel. Und Christina rettete ihre Haut. Bis auf Weiteres.

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