Die Story im Ersten: Handelsware Kind - Mo. 18.01. - ARD: 23.05 Uhr

"Moderne Sklaverei"

12.01.2021 von SWYRL

Die Route führt über Russland und Osteuropa bis nach Deutschland. Junge Vietnamesen werden in die Bundesrepublik eingeschleust. Viele enden in der Illegalität als Arbeitssklaven für die vietnamesische Mafia.

Das Angebot klingt immer verlockend. Skrupellose Menschenhändler versprechen jungen Vietnamesinnen und Vietnamesen ein sorgenfreies Leben in Europa. In dem südostasiatischen Land richten sie sich an die ärmsten der Armen. Viele der Jugendlichen sind Waisen. Doch ihr Weg ins vermeintliche Glück endet zumeist schrecklich. In Nagelstudios, als Zigarettenverkäufer, Drogenkuriere oder als Gärtner in illegalen Cannabisplantagen müssen die Opfer ihre Schulden abarbeiten. 15.000 bis 20.000 Dollar kostet die Schleusung von Vietnam bis nach Berlin. Die Bundeshauptstadt gilt als eine der wichtigsten Drehscheiben für den vietnamesischen Menschenhandel.

Die renommierten wie mehrfach für ihre Recherchen ausgezeichneten Journalisten Adrian Bartocha und Jan Wiese beleuchten mit ihrer investigativen Reportage mafiöse Machenschaften, die weitgehend unter dem Radar der Behörden ablaufen. Zu Wort kommen unter anderem hochrangige internationale Ermittler. Sie sprechen von "moderner Sklaverei", wenn Menschen zusammengepfercht in Kleintransportern oder verladen in Kühllastern über Russland und Osteuropa in ein trauriges Dasein im vermeintlich reichen Europa geschleust werden.

Dass das menschenverachtende System aufbricht, scheint indes fraglich. Belegt ist, dass ein kaum zu durchdringendes Schweigekartell herrscht. Werden vietnamesische Jugendliche beispielsweise entlang der deutsch-polnischen Grenze doch einmal aufgegriffen, ist auf Mithilfe kaum zu hoffen. So verschwinden die in Obhut des Staates übergebenen vietnamesischen Kinder und Jugendlichen aus den ihnen zugewiesenen Einrichtungen oftmals nach nur wenigen Tagen oder gar Stunden.

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