Chart-Hauptstadt Berlin

30 Jahre deutsche Chart-Hits: "Atemlos" ist nur auf Platz zwei

30.09.2020 von SWYRL

30 Jahre nach der Wiedervereinigung lässt sich konstatieren: In den Charts ist der Osten gleichauf. Interpreten aus den alten und neuen Bundesländern hinterließen seit 1990 sowie in diesem Jahr in der Rangliste ihre Spuren. Einige dicke Überraschungen gibt es beim Blick auf die Statistik dennoch.

Das vereinigte Deutschland feiert am 3. Oktober Jubiläum. Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es immer noch Unterschiede zwischen Ost und West, was unter anderem Löhne, Mieten oder die demografische Entwicklung betrifft. Aber wie steht es in Sachen musikalischem Erfolg? Zumindest wenn man diesen an kommerziellen Interessen festmacht, liefert eine am Mittwoch veröffentlichte Mitteilung des Marktforschungsunternehmens GfK Entertainment Aufschluss: Künstler aus den alten und aus den neuen Bundesländern sind in etwa gleichmäßig oft in den Charts vertreten.

Geht es um die am häufigsten platzierten Alben seit 1990 haben aber zwei Schlager-Künstlerinnen aus Westdeutschland die Nasen vorn. Die jeweiligen "Best Of"-Alben von Helene Fischer und Andrea Berg fanden sich beeindruckende 356 respektive 349 Wochen in den Top-100 wieder. Platz drei mutet im Vergleich recht kurios an: "Die 30 besten Spiel- und Bewegungslieder" von Simone Sommerland, Karsten Glück & Die Kita-Frösche hat mit satten 340 Wochen in der Rangliste ein beachtliches Wörtchen mitzureden. Platz vier geht übrigens wieder an Schlager-Königin Helene Fischer und ihr Album "Farbenspiel", Seeed-Frontmann und HipHop-Interpret Peter Fox bringt mit seinem bislang einzigen Soloalbum "Stadtaffe" eine weitere musikalische Klangfarbe in die Top-Fünf nach dem Fall der Mauer.

Bei den Alben ist sie ganz oben zu finden, doch Schlager-Ikone Helene Fischer muss sich in Sachen Singles mit dem zweiten Platz begnügen. "Atemlos durch die Nacht" wurde übertrumpft. Der am längsten platzierte Song stammt nämlich von einem Brüderpaar aus Ostberlin: Paul und Fritz Kalkbrenner hielten sich mit ihrer Techno-Hymne "Sky and Sand" insgesamt 129 Wochen in den Charts. Auf dem Treppchen findet sich zudem Unheiligs "Geboren um zu Leben" wieder, welches 106 Wochen in Folge in den Charts auftauchte.

Deutschrap und Schlager dominieren die Charts

Aber wie ist die Lage im Jahr 2020? Werden die Charts in diesem Jahr durch ein altes oder ein neues Bundesland besonders geprägt? Die Antwort fällt salomonisch aus: Mit Berlin ist ausgerechnet das einzige Bundesland am erfolgreichsten, welches teilweise sowohl der alten BRD als auch der ehemaligen DDR angehörte. Die Vertreter der bundesdeutschen Hauptstadt finden sich ganz weit oben in den Charts wieder: Sowohl bei den Alben als auch bei den Singles gehen fast die Hälfte aller nationalen Nummer-eins-Platzierungen auf das Konto von Berliner Künstlern. Der Titel des am stärksten vertretenen Bundeslandes geht somit an die Spree. Unter den zehn Berliner Nummer-eins-Alben findet sich unter anderem Deutschrap von Capital Bra, Fler oder Tarek K.I.Z., aber auch der Schlager kommt durch Ben Zucker zu seinem Recht.

Schlager steht auch im Rest des Landes hoch im Kurs, egal, ob nun die Amigos aus Mittelhessen - die 2020 gleich zwei Nummer-eins-Alben platzierten - oder das gemeinsame Album von Thomas Anders und Florian Silbereisen aus Rheinland-Pfalz. Aus dem Osten schafften es Social Media Star Katja Krasavice aus Sachsen sowie die Metalband Heaven Shall Burn aus Thüringen, die Spitze der Album-Charts zu erklimmen.

Die offiziellen Deutschen Charts decken rund 90 Prozent aller Musikverkäufe ab. Sie gelten nach wie vor als wichtigster Maßstab kommerziellen Erfolgs für die Musik-Industrie. Die GfK Entertainment ermittelt sie aus Verkaufs- beziehungsweise Nutzungsdaten von 2.800 Einzelhändlern, die die Absatzwege stationärer Handel, E-Commerce-Anbieter, Download-Portale oder Musik-Streaming-Plattformen nutzen.


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