Erzgebirgskrimi - Der letzte Bissen - Sa. 16.10. - ZDF: 20.15 Uhr

Der Imker und das Glyphosat

13.10.2021 von SWYRL/Hans Czerny

Im vierten Erzgebirgskrimi, "Der letzte Bissen", bekommen es Kommissar Winkler (Kai Scheve) und seine Kollegin (Lara Mandoki) mit Groß- und Kleinbauern, aber auch mit einer Freilicht-Theatertruppe zu tun. Die führt das Schauspiel vom Volkshelden Karl Stülpner auf, dem "Robin Hood des Erzgebirges".

Wer es bisher noch nicht wusste, weiß es spätestens jetzt: Auch das Erzgebirge, auch Sachsen hatte seinen Robin Hood. Wie der Angelsachse aus Nottingham wirkte er als Vorkämpfer für soziale Gerechtigkeit, indem er den Armen gab, was er den Reichen nahm. Als jetzt in den Wäldern des Erzgebirges ein unliebsamer Richter, der zu den Reichen hielt, mit einem historischen Jagdgewehr ermordet wird, glaubt manch einer, der Held aus dem 18. Jahrhundert sei auferstanden. Zumal im Heimatkrimi darf so ein Aberglaube schon mal sein.

Die erfahrenen TV-Autoren Leo P. Ard und Rainer Jahreis nützen die Volkssage vom Stülpner Karl, dem Robin Hood aus Sachsen, in der Episode "Der letzte Bissen", indem sie eine Freilichtaufführung der Legende mit gleich zwei wahren Morden garnieren - ein Großbauern und ein korrupter Richter müssen dran glauben. Das Mittelalter feiert hier ein wenig Urständ', wenn auch in einem recht modernen Gewand. Großbauer Huber (Thomas Sarbacher) hat viel Dreck am Stecken: Über seine Felder verstreut er jede Menge Glyphosat, die Höfe der Ärmeren kauft er auf und gegen seine polnischen Landarbeiter ist er nicht nur mit Lohndumping, sondern auch auf lebensgefährliche Weise rücksichtslos.

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"Der Graf hat Häscher ausgesandt!"

Dank des korrupten Richters Dr. Drösser gewinnt Huber jeden Prozess, zuletzt gegen den braven Imker Ronny Beer (Kai Schumann), der um das Leben seiner Bienen fürchtet. Aber warum wird der üble Drösser mit dem Theatergewehr erschossen, und warum muss auch Huber mit dem Leben bezahlen? - In erster Linie wird hier die Legende vom sagenhaften Wohltäter Stülpner wiederbelebt. Auf recht verwinkelten Pfaden kommt die modernisierte Story ans Ziel. Dass dabei das Glyphosat nicht unbedingt nur eine Nebenrolle spielen wird, ist früh zu ahnen. Und warum lobt Bauer Huber seine charmante Ehefrau Agnes (Andrea Osvárt) gar so sehr über den grünen Klee, als "beste Ehefrau von allen"?

Um die Täterrolle kämpft hier jedenfalls ein ganzer Strauß von Verdächtigen. Weil aber auch auf der Ermittlerseite eine vielköpfige Schar tätig ist - neben den Kommissaren auch noch die Erzgebirgsförsterin Saskia (Teresa Weißbach) samt Vater Georg (Andreas Schmidt-Schaller) - bleibt für eine ausgefeiltere Personenpsychologie nur wenig Raum. Selbst die Gebirgszüge und die Wälder des Erzgebirges werden von der Regie (Uli Zrenner) eher beiläufig im Drohnenflug mitgenommen. Dagegen scheint die Freilichtaufführung der "Naturbühne Greifenstein" ("Der Graf hat Häscher ausgesandt!") ein recht eingängiges Stück zu sein. Das Loblied vom Volkshelden, der den Armen gibt, was er den Reichen nimmt, setzt sich im Gedächtnis fest. Gut und Böse - eine klare Sache und wenig verzwickt. Der Heimatkrimi als solcher sollte sich an dieser Linie vielleicht ein Beispiel nehmen.

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