Jeff Daniels über Trump-Serie

"Der Anfang des Betrugs": Warum die Politserie "The Comey Rule" die Augen öffnet

11.11.2020 von SWYRL

"Ich glaube, wenn Menschen die Serie sehen, werden sie realisieren, dass all das nur der Anfang war", betont Jeff Daniels, Hauptdarsteller der packenden US-Politserie "The Comey Rule": "Es war der Anfang des Betrugs und der Anfang der Bestrafung all derjenigen, die 'König Trump' nicht die uneingeschränkte Loyalität versprochen haben."

Seit den US-Wahlen am 3. November herrscht in Amerika absoluter Ausnahmezustand. Die Medien berichten auch hierzulande beinahe pausenlos. Dennoch bleibt vieles von dem, was da gerade vor sich geht, schwer nachvollziehbar. Um ein noch genaueres Gefühl dafür zu bekommen, was in den Staaten gerade wirklich los ist und welches politische Klima im Land der unbegrenzten Möglichkeiten herrscht, bietet sich auch der Blick in eine aktuelle fiktionale TV-Produktion an. Die Miniserie "The Comey Rule" (über Sky Q und Sky-Ticket auf Abruf) lieferten einen nachdrücklichen Einblick in ein politisches System, das an einigen entscheidenden Stellen eben doch um einiges anders tickt als das deutsche.

Man darf angesichts der heftigen Kontroversen zwischen den Anhängern von Donald Trump und Joe Biden, zwischen eingefleischten Republikanern und Demokraten, eines nicht vergessen: Bereits vor vier Jahren, als Hillary Clinton gegen Donald Trump antrat, herrschte im Land das pure Chaos. Überall gab es Verschwörungstheorien, Lügen - und zwischen all dem ein Mann, der versuchte, die Demokratie zu retten: James Comey. Im Polit-Drama "The Comey Rule", das ausgerechnet am Wahltag, dem 3. November, bei Sky Atlantic HD seine Premiere erlebte, schlüpft Schauspieler Jeff Daniels in die Rolle des ehemaligen FBI-Direktors, den er im Interview als "wahrhaft unpolitischen Mann" beschreibt, "der sich in einer korrupten und betrügerischen Regierung bewegt".

Der Hintergrund der packenden Polit-Story ist überaus komplex: Noch bevor Donald Trump 2016 die Präsidentschaftswahl gewann, untersuchte der ehemalige FBI-Chef James Comey die "E-Mail-Affäre" um Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Der Vorwurf: Als Außenministerin hatte Clinton ihren dienstlichen E-Mail-Verkehr über einen privaten Server abgewickelt. Dabei sollen auch als "top secret" eingestufte Informationen versendet worden sein. Im Juli 2016 gab Comey bekannt, dass in den Ermittlungen zwar fahrlässiges Handeln, aber keine Rechtsverletzungen festgestellt wurden. Zwei Wochen vor der US-Wahl nahm der damalige FBI-Chef den Fall jedoch wieder auf, nachdem ein weiterer Computer mit privaten E-Mails von Hillary Clinton gefunden wurde. Ein halbes Jahr später, am 9. Mai 2017, wurde James Comey höchstpersönlich von Donald Trump gefeuert, nachdem die Ermittlungen um die russische Wahlmanipulation sich plötzlich auch gegen den amtierenden Präsidenten richteten.

"The Comey Rule" (Sky): "Hoffe, die Serie erinnert alle daran, wie fragil die Demokratie sein kann"

Es dauert eine ganze Weile, bis sich das Geschehen vom Ausloten der politischen Strukturen und komplexen Hintergründe den Charakteren der handelnden Personen zuwendet - dann aber entfesselt sich die ganze Wucht dieser Erzählung. Als FBI-Direktor James Comey von Donald Trump (Brendan Gleeson) ins Weiße Haus zitiert wird, wird er sich der Tragweite seines Handelns erstmals richtig bewusst. Ein kathartischer Moment. Im Folgenden wird schnell klar, mit welchen Tricks und Mitteln Donald Trump seinen Weg ins Weiße Haus ebnete.

Bis heute versucht der US-Präsident mit allen Mitteln - seine Kritiker sind überzeugt, auch mit Lügen und Intrigen -, seine Machtposition zu erhalten. Diesbezüglich hat auch Jeff Daniels keine Illusion. Der Hollywoodstar erklärt im Gespräch mit der Agentur teleschau, warum "The Comey Rule" auch für die Wahl 2020 von höchster Relevanz ist: "Ich glaube, wenn Menschen die Serie jetzt sehen, werden sie realisieren, dass all das nur der Anfang war. Es war der Anfang des Betrugs, der Anfang der Unehrlichkeit, der Anfang der Lügen und der Anfang der Bestrafung all derjenigen, die 'König Trump' nicht die uneingeschränkte Loyalität versprochen haben."

James Comey sei "das erste Opfer dieser Vergeltungsmaßnahmen" gewesen, betont Daniels. "Zu der Zeit dachten noch viele, dass er ein FBI-Schurke war, der aus reinem Selbstinteresse gehandelt hat. Dabei war genau das Gegenteil der Fall: Vier Jahre später schauen wir zurück und sehen, dass wir keine Ahnung hatten."

Jeff Daniels spricht im Interview aus, was wohl viele eher flüchtige Kenner des US-Politbetriebs denken: "Als Trump 2016 gewählt wurde, dachten noch alle, dass er kluge Menschen um sich herum haben würde, die ihn vor Dummheiten bewahren würden. Die sind jedoch mittlerweile alle weg! James Comey war einer dieser Menschen, die versucht haben, Trump zu stoppen."

"Wurde von Trumps sexisitischen Aussagen überrascht"

Er habe vor den Dreharbeiten "ehrlich gesagt nicht viel" über Trump und Comey gewusst, erklärte Daniels. "Wie viele andere wurde ich damals von Trumps sexistischen Aussagen überrascht und ins Taumeln gebracht. Dann wurde plötzlich, einen Monat vor der Wahl, die FBI-Ermittlung im Fall von Hillary Clintons E-Mails wieder ins Rollen gebracht. Das Einzige, das ich damals dachte, war: 'Was denkt er sich bloß dabei? Was macht er da bloß?' Auf Twitter sah es so aus, als würde Comey versuchen, Hillary zu schaden. Das habe ich einfach nicht verstanden."

Auch "House of Cards"-Star Michael Kelly, der in "The Comey Rule" die Rolle des stellvertretenden FBI-Direktors Andrew McCabe spielt, wurde gegenüber teleschau deutlich. Er warnte in dem Gespräch, das bereits einige Woche vor der US-Wahl stattfand: "Wir wissen, dass dieselben Tricks auch in der diesjährigen Wahl angewandt werden. Ich hoffe, die Serie erinnert alle Menschen daran, wie fragil die Demokratie sein kann. Wenn du nicht wählen gehst, kannst du quasi dabei zusehen, wie die Demokratie in sich zusammenfällt."

Basierend auf Comeys Memoiren "A Higher Loyalty" (deutscher Titel: "Größer als das Amt") rekonstruiert die bei Sky Atlantic HD zuerst als zweiteiliges TV-Ereignis ausgestrahlte Produktion zunächst die Ereignisse im Wahlkampf 2016, bevor es sich zu einem elektrisierenden realen Horrorfilm über den vermeintlich mächtigsten Mann der Welt verdichtet.


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