BR-Magazin "Quer"

BR-Bericht: Haben Coronapartys zur Horrorinzidenz in Oberbayern geführt?

19.11.2021 von SWYRL

Kennwort: "Leberkasparty". Einem Bericht des BR-Magazins "Quer" zufolge könnten Coronapartys im Landkreis Miesbach mitverantwortlich für die horrenden Infektionszahlen sein. Auch 3G-Kontrollen wurden bis vor Kurzem offenbar sehr lax gehandhabt.

Es ist eine gallige Freude in trostlosen Zeiten. Im BR-Magazin "Quer" führt Moderator Christoph Süß jeden Donnerstagabend durch die Absurditäten von Politik und Gesellschaft in Bayern. Das nimmt die Absurditäten rund um die Corona-Malaise nicht aus. Mancher satirische Gag bleibt da vor Schmerz im Halse stecken, erst recht, wenn er wie jüngst geschehen von einem Bericht begleitet wird, der ein wenig sprachlos macht.

Ein Reporterteam des Bayerischen Rundfunks hatte im Landkreis Miesbach zu einem wahrhaft beunruhigenden Rätsel recherchiert. Wie kann es sein, dass ausgerechnet im nicht allzu dicht besiedelten Voralpenidyll rund um Tegernsee und Schliersee derart viele Neuinfizierte gemeldet werden? Am Wochenende knackte die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis die Tausendermarke. Viele Bewohner wissen nicht, wie ihnen geschieht.

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Mit dem Codewort "Leberkasparty" die Impfung vermeiden

Manche ahnen es aber doch, und sie berichten es freimütig vor der Kamera. Offenbar hat es in der Region in den vergangenen Wochen etliche sogenannter Coronapartys gegeben. Geheim-Kennwort: "Leberkasparty". Vorzugsweise junge Menschen suchten gezielt den Kontakt zu Corona-Infizierten, um sich anzustecken. Das Ansinnen dahinter: als später "Genesene" sowohl die Impfung zu vermeiden als auch Testgebühren zu umgehen. Eine bizarre Idee mit offenbar drastischen Folgen. Die Intensivkapazitäten im Landkreis sind erschöpft. Das größte Krankenhaus der Region, Agatharied, wurde angewiesen, von aufschiebbaren stationären Behandlungen abzusehen.

Bewusst war das den jugendlichen Verursachern offenbar kaum. "Eine Freundin von mir wollte das auch so machen, weil sie sich nicht impfen lassen will." Sie habe in ihrer Instagram-Story den Aufruf gepostet: "Hat jemand Corona?", gibt im "Quer"-Bericht amüsiert eine Jugendliche am Eingang einer Party-Location am Spitzingsee zu Protokoll.

Auch der Ärztliche Pandemie-Koordinator des Landkreises Miesbach ist alarmiert. "Diese Partys hat es gegeben", sagt Dr. Florian Meier. "Das wurde mir mehrfach in der Praxis von vertrauenswürdigen Quellen berichtet." Der Mediziner hat auch eine Theorie, wie das Virus in der Folge so rasant auf die vulnerableren Bevölkerungsgruppen überspringen konnte: "Wir auf dem Land haben Mehrgenerationenhäuser. Wenn wir eine infizierte Person in so einem Haushalt haben mit der ansteckenden Deltavariante, dauert es ein paar Tage, und das ganze Haus ist positiv."

Imfpnachweis? "Nein, für so was haben wir hier keine Zeit!"

Doch noch ein weiterer Faktor dürfte zu den hohen Infektionszahlen in Miesbach beigetragen haben: lasche 3G-Kontrollen in der Gastronomie. Er wäre in seine Lieblingsclubs auch mit dem Ausweis der Schwester reingekommen, ist sich ein junger Partybesucher sicher: "Wär ah wurscht g'wesen." Eine Familienmutter berichtet vor der Kamera von ihrem Erlebnis im Ausflugslokal. Auf ihre Frage, ob sie denn den Impfnachweis vorlegen solle, habe ihr die Mitarbeiterin beschieden: "Nein, für so was haben wir hier keine Zeit!"

Immerhin scheinen die dramatische Lage und politischer Druck zu einem Umdenken zu führen. Bei einem Test gelangten Mitarbeiter des "Quer"-Teams ohne Impfnachweis in keine von fünf Gaststätten. Und auch die schwache Quote der Immunisierten steigt langsam an. Vor dem Miesbacher Impfzentrum gibt ein Handwerker zähneknirschend an: "Ich bin sehr skeptisch, aber jetzt werma halt reing'druckt vom Söder, weil man ohne Test nirgends mehr reinkommt."

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